Vorgeschichte (Tabelle 1)
Diese Tabelle soll dem Leser die Interviewpartnerinnen noch einmal vor Augen führen. Sie geht nicht vollständig in den Vergleich ein; lediglich die Kategorien Dauer der Partnerschaft, Alter des Kindes, Biographische Belastungsfaktoren, Eigenanamnese und Familienanamnese werden im folgenden untersucht:
Dauer der Partnerschaft: Hier & fällt insbesondere das lange Bestehen von Ingas Partnerschaft (14 Jahre, th.G.) ins Auge. Ihre Entscheidung, so lange mit einer Schwangerschaft zu warten, begründet sie damit, dass sie mit dem jungen Alter ihrer eigenen Eltern oft Probleme hatte; sie habe sich mehr Distanz gewünscht, insbesondere als Teenager. Claudias (K.G.) Partnerschaft bestand mit einem Jahr und vier Monaten vor Eintreten der Schwangerschaft am wenigsten lange. Die am problematischsten bewerteten Partnerschaften (Karin / Swantje) unterscheiden sich nicht maßgeblich hinsichtlich ihrer Dauer bei Eintreten der Schwangerschaft von positiv bewerteten Partnerschaften (gesamte K.G.).
Alter des Kindes: Diese Kategorie & ist bei der gesamten Interpretation der Berichte bedeutsam: Mütter eines vier Monate alten Kindes (Swantje, Anna) befinden sich nach Gloger-Tippelt (1988) in der Phase der Herausforderung und Umstellung (2.-6. Monat). Es ist zu erwarten, dass sich ihre Berichte von denjenigen "älterer Mütter" die sich z.B. in der Phase der Gewöhnung befinden (6.-12. Monat), wie die übrigen Untersuchungsteilnehmerinnen (mit Ausnahme von Inga, deren Sohn 17 Monate alt ist) hinsichtlich ihrer Sicherheit im Umgang mit der neuen Situation unterscheiden. Insofern ist es günstig, dass sich in beiden Untersuchungsgruppen eine Mutter eines vier Monate alten Kindes befindet.
Biographische Belastungsfaktoren: In der thematischen Gruppe werden mehr belastende Erlebnisse in der Kindheit genannt als in der Kontrollgruppe. Diese betreffen entweder die Mutter (Karin: Mutter depressiv, Swantje: frühe Trennung und Fremdbetreuung) oder den Vater (Inga: Scheidung der Eltern, als sie eineinhalb Jahre alt war, seitdem Vater nie wieder gesehen). In der Kontrollgruppe treten eher belastende Ereignisse während der Zeit als Erwachsene (Claudia: Krebserkrankung beider Eltern) bzw. als Jugendliche (Marie-Luise: Repressalien durch den Staat DDR hinsichtlich der schulischen Ausbildung, ein Belastungsfaktor, der wenig vergleichbar mit den anderen genannten erscheint, da er nicht die nächsten Beziehungen betrifft) auf. Eine Ausnahme stellt Anna dar, die insofern belastet ist, als sie ihren Vater nie kennen gelernt und unter der Überarbeitung der alleinerziehenden Mutter mitunter gelitten hat. Weiterhin ist hervorzuheben, dass die Interviewpartnerinnen aus der thematischen Gruppe die jeweils genannten Belastungsfaktoren nicht bewältigt haben: so berichtet etwa Swantje davon, dass sie sich jetzt vorstellen kann, wie schlimm die Trennung von ihrer Mutter für sie gewesen sein mag, und dass sie wütend darüber ist, während der ersten drei Lebensjahre von verschiedenen Personen fremdbetreut worden zu sein. Inga entwickelte während der Schwangerschaft den Wunsch, ihren leiblichen Vater kennen zu lernen, und spricht diesem Thema eine größere Bedeutung zu als vorher. Die Bedeutung der mütterlichen Depression für Karin schließlich wird von ihr eher verhalten und zögernd im Interview (beim dritten Treffen) zur Sprache gebracht, so dass ich den Eindruck gewonnen habe, dass diese Belastung nicht bearbeitet wurde. Im Vergleich dazu entsteht bei den nicht depressiven Frauen eher der Eindruck, belastende Ereignisse bewältigt zu haben. So berichtet Claudia davon, dass sich während der Zeit der Erkrankung ihrer Mutter die Beziehung zu ihr positiv verändert habe. Anna entwickelte durch die eigene Erfahrung der Mutterschaft Hochachtung vor der großen Leistung ihrer alleinerziehenden, berufstätigen Mutter. Marie-Luise schließlich konnte ihre Berufswünsche nach der Wende in die Tat umsetzen und erwies dabei eine bemerkenswerte Ausdauer.
Eigenanamnese: Hier sind bei Anna (K.G.) mindestens ein und bei Swantje (th.G.) ein Abort als Verlustserlebnisse zu berücksichtigen, wobei Swantje von einer intensiven Zeit der Trauer um ihr erstes Kind während der zweiten Schwangerschaft berichtet. Aus Annas Erzählung spricht hingegen insbesondere nach Ablauf der ersten drei kritischen Monate vor allem die Vorfreude auf ihr Kind, wobei sie allerdings auf das Thema Fehlgeburt auch nicht näher eingehen mochte.
Familienanamnese: In beiden Untersuchungsgruppen befinden sich Frauen, in deren Familienanamnese & Depressionen vorkommen: während Karin (th.G.) die Erkrankung bei ihrer Mutter als Kind und Jugendliche über viele Jahre hinweg miterlebt hat, berichten sowohl Swantje (th.G.) als auch Anna (K.G.) von aktuell auftretenden Depressionen bei der Mutter (Anna) bzw. beim Vater (Swantje). Dabei nennt Swantje eine aktuelle, dringliche Familienproblematik (die nicht genannt werden soll) als Auslöser für die Depression ihres Vaters. Abgesehen von der möglicherweise alle drei Frauen betreffenden genetischen Disposition erscheint somit der transgenerationale Aspekt des Störungsbildes, der in einer durch die chronifizierte mütterliche Erkrankung entstandenen Beziehungs- und Entwicklungsbeeinträchtigung begründet ist, im Falle Karins besonders bedeutsam.
Zur Persönlichkeit (Tabelle 2)
Selbstbild und Selbstbeschreibung: Bei der Betrachtung dieser Kategorie fallen einige Merkmale auf, die nur von Frauen aus der thematischen Gruppe genannt wurden, bzw. aus ihren Berichten hervorgehen. Dazu gehören der von Karin beschriebene Hang zum Grübeln oder auch das ausgeprägte Kontrollbedürfnis, das sowohl Inga als auch Swantje zum Ausdruck bringen. Weiterhin ist Swantjes Neigung, sich in einer Opferrolle zu sehen, für die Entstehung der Depression sicherlich nicht ohne Bedeutung. Inga beschreibt sich selbst als ängstlich, auch aus Swantjes großem Sicherheitsbedürfnis spricht eine eher ängstliche Grundhaltung: So berichteten beide davon, dass sie sich eine außerklinische Geburt auf gar keinen Fall hätten vorstellen können, da dieser Gedanke große Angst ausgelöst hätte. Innerhalb der Kontrollgruppe begründete lediglich Anna ihre Entscheidung, in einem Krankenhaus zu entbinden, mit ihrem Sicherheitsbedürfnis, eine zweite Geburt kann sie sich auch im Geburtshaus vorstellen. Zudem fühlte sie sich sicher genug, am Tag nach der Geburt die Klinik bereits zu verlassen, Karin (th.G.) dagegen fühlte sich nach ihrer ambulanten Geburt zu Hause so unsicher und verängstigt, dass sie sich erneut in eine geburtshilfliche Abteilung aufnehmen ließ.
Zwei der nicht depressiven Frauen, Marie-Luise und Claudia, berichten, als Kind "halbe Jungen" gewesen zu sein: geht man davon aus, dass mit einem jungenhaften Wesen ein unternehmungslustiges und eher wenig ängstliches Verhalten verbunden wird, so wäre die Schlussfolgerung denkbar, dass Frauen, die sich so beschreiben, tendenziell für die Entwicklung depressiver Symptome weniger gefährdet sind.
In beiden Untersuchungsgruppen gibt es Frauen, die als introvertiert bezeichnet werden können, jedoch sind es in der thematischen Gruppe zwei Frauen, nämlich Karin und Inga, während in der Kontrollgruppe nur Claudia als eher introvertiert einzuschätzen ist. Als extrovertiert beschreibt sich nur Anna (K.G.).
Sowohl Marie-Luise (K.G.) als auch Inga (th.G.) schildern sich als leistungsorientiert, so dass hier kein Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden kann.
Selbstwertgefühl: Hier zeigen die Ergebnisse eine Tendenz, die auf dem Hintergrund psychodynamischer und kognitiv-lerntheoretischer Depressionstheorien wenig erstaunlich ist: während bei allen postpartal depressiven Frauen von einem eher geringen Selbstwertgefühl gesprochen werden kann (wobei zu berücksichtigen ist, dass Inga durch ihren Beruf eine gewisse Selbstwertstabilisierung erfahren hat, die nach der Geburt jedoch ausbleibt und nicht ohne weiteres kompensiert werden kann), zeichnen sich aus der Kontrollgruppe Marie-Luise durch ein stabiles, hohes, Anna durch ein eher hohes und Claudia durch ein verletzliches Selbstwertgefühl aus.
Identität als Frau: Diese wird von beinahe allen Frauen positiv erfahren, lediglich Swantje (th.G.) berichtet davon, sich zur Zeit als Frau nicht wohl zu fühlen. Marie-Luise (K.G.) fühlt sich durch Ehe und Mutterschaft in ihrer weiblichen Identität bestärkt. Hinsichtlich ihrer Mutterrolle würde ich alle Frauen bis auf Marie-Luise als sehr verletzlich beschreiben, so dass hier nicht von einem Unterschied zwischen den Gruppen gesprochen werden kann. Die Verletzlichkeit macht sich bei Anna (K.G.) am häufigen Schreien des Kindes und bei Claudia (K.G.) an der motorischen Entwicklung ihrer Tochter fest. Bei den depressiven Frauen zeigt sich die Verletzlichkeit als Mutter besonders in Befürchtungen darin, dass die Erkrankung ihrem Kind schaden oder dass ihr Kind nicht satt werden könnte (Inga).
Umgang mit sich selbst: Bei der Betrachtung dieser Kategorie fällt auf, dass Frauen der Kontrollgruppe sich insgesamt als vor der Schwangerschaft genussfähiger darstellen. Besonders die Alltagsschilderungen Annas und Claudias beinhalten lustvolle Schilderungen von Hobbys bzw. Reisen. Während Marie-Luise (K.G.) hohe Anforderungen an sich selbst stellt und dabei ihre Grenzen kennt (z.B. bittet sie um Hilfe bzw. gönnt sich Urlaub, als ihre Reserven verbraucht sind), finden sich sowohl bei Claudia (K.G.) als auch bei Karin und Inga (th.G.) deutliche Tendenzen zur Selbstüberforderung. Diese Tendenzen sind bei den depressiven Frauen mit Ausnahme von Swantje ausgeprägter, wenn man etwa an Karins Selbstüberforderung während der Schwangerschaft und an Ingas sich überschlagende Aktivitäten im Haushalt nach der Geburt denkt. Bei Swantje (th.G.) fällt auf, dass sie nicht gut für sich selbst sorgt, was im Rückzug von der Außenwelt nach der Geburt, aber auch in der unterlassenen Kontaktsuche am neuen Wohnort zum Ausdruck kommt. Dagegen nehmen sowohl Karin als auch Inga aktiv neue Kontakte bzw. alte Kontakte wieder auf.
Umgang mit Beziehungen: Diese Kategorie stellt sich bei den Untersuchungsgruppen insofern unterschiedlich dar, als nicht depressive Frauen, insbesondere Marie-Luise und Anna, sich in ihrer Partnerschaft und Freunden gegenüber emotional öffnen, während Karin und Inga bedrohlich erlebte Ängste zumindest während der Schwangerschaft für sich behalten. Als Ausnahme ist hier Swantje (th.G.) zu nennen, die ihre Bedürfnisse und Gefühle gut mitteilen kann, wobei sie jedoch von den Reaktionen ihres Umfeldes enttäuscht ist und nun eher zum Rückzug neigt, zudem kennt sie am neuen Wohnort noch kaum Menschen, denen sie sich öffnen kann, was sie jedoch auch nicht ändert. Karin berichtet davon, sich bereits vor der Schwangerschaft von wichtigen Freund/inn/en zurückgezogen zu haben, sie ist zur Zeit jedoch dabei, diese Haltung zu ändern und Freundschaften wieder zu intensivieren.
Keine Frau aus der Kontrollgruppe berichtet von Rückzugstendenzen, so dass es sich hierbei um ein typisches Merkmal postpartal depressiver Frauen handeln könnte. Dies würde mit psychodynamischen Theorien zur Depression unabhängig von der Geburt eines Kindes übereinstimmen (vgl. Mentzos, 1984). Nicht depressive Frauen bringen anderen Menschen gegenüber mehr Vertrauen zum Ausdruck und reagieren auf Enttäuschungen nicht mit Rückzug oder Verallgemeinerung: so gelang es sowohl Anna als auch Claudia, den Hebammen im Kreißsaal trotz teilweise negativer Erfahrungen zu vertrauen. Dagegen zeigt Swantje (th. G.) eine von vornherein ausgesprochen misstrauische und negative Einstellung, etwa gegenüber dem Personal auf der Wochenstation. Karin und Inga (th.G.) bringen weder besonderes Vertrauen noch ausgeprägtes Misstrauen anderen gegenüber zum Ausdruck.
Den Wunsch, anderen nicht zur Last zu fallen, äußern depressive und nicht depressive Frauen gleichermaßen: sowohl von Marie-Luise und Claudia (K.G.), als auch von Karin und Inga (th.G.) liegen diesbezügliche Aussagen vor. Die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel stellen sowohl Marie-Luise und Anna (K.G.) als auch Karin und Inga (th.G.) unter Beweis, so dass auch hier kein Unterschied zwischen den Gruppen festzustellen ist.
Metaphern für die eigene Befindlichkeit und Deutungsmöglichkeiten für die Metaphern (Tabellen 3a / 3b)
Auf den ersten Blick fällt bereits auf, dass die Frauen aus der thematischen Gruppe mehr Metaphern für ihre Gefühlswelt verwenden als die Frauen aus der Kontrollgruppe, mit Ausnahme von Anna, die sich ebenfalls einer sehr bildhaften Sprache bedient. Bei beiden Gruppen betonen die Metaphern die Intensität des jeweils erlebten Gefühls, etwa wenn Marie-Luise (K.G.) davon spricht, dass es ihr während der Frühschwangerschaft "dreckig" ging. Annas (K.G.) Metaphern klingen teils euphorisch wie z.B. die Aussage, dass die Schwangerschaft "bilderbuchmäßig" verlaufen sei, teils sehr negativ berührt wie die Bemerkung, dass die ersten Tage mit Kind und ohne Unterstützung ihres Partners "grauenvoll" gewesen seien. Ihr Erleben stellt sie durch die gebrauchten Metaphern als sehr körperlich dar, etwa wenn sie von Glücksgefühlen spricht, die in ihrem Körper "'runrauschen". Beeindruckt hat mich Annas (K.G.) Beschreibung des Geburterlebnisses: sie habe sich "so richtig so wie so zusammengerollt, so seelisch" und auch "eingeigelt". Diese Bilder können als Ausdruck der Regression betrachtet werden, wobei diese offenbar nicht als bedrohlich erlebt wurde; der Selbstschutz (Stacheln des Igels) funktioniert, obwohl Anna sich zeitweise "mutterseelenallein" gefühlt habe. Dieses Erleben steht in einem großen Kontrast zu Karins (th.G.) Geburtserleben, die sich total verlassen fühlte und in Angst und Panik befand; hier funktionierte der Selbstschutz sicherlich nicht.
Besonders bemerkenswert erscheint mir auch der Vergleich zwischen den folgenden Metaphern: Anna (K.G.) berichtet, sie habe sich nach der Geburt zu Hause mit ihrem Partner wie in einer "sicheren Höhle" gefühlt. Dagegen ist sich Swantje (th.G.) auf dem Zimmer der Wochenstation wegen der vielen Blumen (!) der Nachbarin wie in einer "Grabhöhle" vorgekommen. Auch "Höhle" kann als ein Bild für Regression angesehen werden, wobei mit dieser Regression unterschiedliche Gefühle einhergehen: Sicherheit auf der einen Seite, Tod auf der anderen Seite. Diese unterschiedlichen Gefühle Annas und Swantjes nur der Umgebung (Zuhause vs. Wochenstation) zuzuschreiben greift meines Erachtens zu kurz: nicht jede Frau fühlt sich nach der Geburt zu Hause so sicher wie Anna, die in ihrem Bericht Selbstvertrauen zum Ausdruck bringt. Swantje hingegen äußert im Zusammenhang mit der o.g. Metapher, dass sie sich überhaupt nicht auf zu Hause habe freuen können, da es ihr an Unterstützung durch den Partner gemangelt habe. Darüber hinaus findet sich das Motiv "Tod" in der Bemerkung, dass sie während ihrer tiefsten Krise ausgesehen habe, als wenn jemand gestorben sei. Diese Aussage hat mich darin bestärkt, in der Metapher der "Grabhöhle" keine Beschreibung der Umgebung, sondern vielmehr die eines Gemütszustands zu sehen.
Betrachtet man nun insgesamt die von den postpartal depressiven Frauen benutzten Metaphern, so fällt auf, dass darin folgende Themen immer wieder zum Ausdruck kommen:
Angst, innere Unruhe, Anspannung, Kontrollverlust / externe Kontrollüberzeugung, Haltlosigkeit, Abhängigkeit (von der eigenen Mutter / dem Kind) als Last, Gefühle der Leblosigkeit und der Trauer und der Überforderung. Diese Themen wurden allesamt von den nicht depressiven Frauen entweder gar nicht oder aber nicht annähernd in dieser Intensität durch Metaphern zum Ausdruck gebracht, so dass die Schlussfolgerung nahe liegt, dass es sich bei beiden Gruppen um ein qualitativ unterschiedliches Erleben handelt. Die Annahme, dass postpartal depressive Frauen lediglich ein Mehr an nachgeburtlichem Stress und Überlastung erleben, erscheint auf diesem Hintergrund fragwürdig.
Verlauf / Situative Variablen (Tabellen 4 [Kontrollgruppe], 4a-4b [thematische Gruppe])
Lebenszufriedenheit vor der Schwangerschaft: Bezüglich dieser Kategorie zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Untersuchungsgruppen: die Lebenszufriedenheit vor der Schwangerschaft wird von den postpartal nicht depressiven Frauen im Vergleich als entschieden höher geschildert.
Keine der depressiven Frauen beschreibt sich als vor der Schwangerschaft wirklich zufrieden, zwei Frauen gebrauchen das Wort "sinnlos" (Inga) bzw. "sinnentleert" (Swantje) für ihr damaliges Leben, und Karin zog sich aus Angst, verletzt zu werden, von ihren wichtigsten Freund/inn/en zurück, was die Lebenszufriedenheit vermutlich ebenfalls negativ beeinflusst hat. Nun könnte man argumentieren, dass die Rückschau der depressiven Mütter durch die Erkrankung negativ verzerrt sei; dagegen spricht die aktuell große Lebenszufriedenheit Ingas (th. G.), die die Depression nicht nur annähernd überwunden hat, sondern in der Erkrankung sogar eine Chance sieht, ihr Leben neu zu überdenken. Darüber hinaus erscheint es problematisch, die Rückschau der depressiven Frauen einfach nur als negativ verzerrt anzusehen (eine derartige Sichtweise klingt z.B. in Whiffens (1992) Artikel durch), dies könnte dahin führen, ihnen die Authentizität ihres Erlebens (bzw. Berichtens) abzusprechen, was einer unverzeihlichen Ignoranz gleichkäme. Als alternative Erklärungsmöglichkeit wäre es denkbar, in der rückblickenden Unzufriedenheit ein Anzeichen dafür zu sehen, dass sich in der angespannten und emotional aufwühlenden Zeit während und nach der Geburt bisher vermiedene oder auch verleugnete Konflikte und Gefühle nicht mehr wegschieben lassen, sondern nach einer Auseinandersetzung verlangen.
Schwangerschaft a) geplant / b) ungeplant: In beiden Untersuchungsgruppen fanden sich jeweils zwei geplante Schwangerschaften (Marie-Luise, Anna: K.G./ Inga, Swantje: th.G.) und eine ungeplante (Claudia, K.G. / Karin, th.G.), so dass innerhalb dieser Kategorie kein Unterschied zwischen den befragten postpartal depressiven und nicht depressiven Frauen festgestellt werden kann. Wichtig erscheint hier eine Zusammenschau mit der Kategorie Partnerschaft, wobei sämtliche Partnerschaften der Teilnehmerinnen der Kontrollgruppe positiv bewertet wurden; Karin hingegen berichtete von schwerwiegenden Beziehungsproblemen und Trennungsgedanken.
Schwangerschaft: Sie wurde von allen Frauen übereinstimmend als eine äußerst bewegende Zeit beschrieben, die mit einem unterschiedlich großen Ausmaß an Ängsten einherging. Lediglich in Claudias (K.G.) Bericht spielt Angst erst nach der Geburt eine Rolle, nämlich in Form der Sorge, als Mutter etwas falsch zu machen. Sowohl Swantje (th.G.) als auch Anna (K.G.) litten unter der Angst vor einem erneuten Abort, wobei Swantje (wie bereits bei der Betrachtung von Tabelle 1 erwähnt) von einer Zeit intensiver Trauer um ihr erstes Kind während der zweiten Schwangerschaft berichtete. Mit belastender Übelkeit und Schwangerschaftserbrechen hatten ausschließlich Frauen aus der Kontrollgruppe (Marie-Luise, Anna) zu kämpfen. Dies ist insofern interessant, als Molinski (1972) bezüglich der Dynamik, die einerseits Depressionen nach der Geburt und andererseits vermehrtem Erbrechen in der Frühschwangerschaft (Hyperemesis gravidarum) zugrunde liegt, entscheidende Unterschiede sieht: während er postpartal depressive Frauen als oral und & aggressiv stark gehemmt ansieht, spricht er Frauen, die an Hyperemesis leiden, eine weit weniger intensive Hemmung im aggressiven Erlebensbereich zu. Er schlussfolgert, dass postpartal depressive Frauen gar keine Hyperemesis entwickeln konnten, da ihnen sozusagen die dazu nötige Aggression fehlt (vgl. Molinski, 1972, S. 92-93).
Weitere Ängste der Interviewpartnerinnen bezogen sich auf die Geburt, wobei Inga (th.G.) und Anna (K.G.) von der Angst zu sterben berichteten. Alle Interviewpartnerinnen außer Claudia (K.G.) schilderten Angst vor dem Geburtsschmerz. Angst um die Gesundheit des Kindes erlebte insbesondere Inga (th.G.).
Bedeutsam erscheint der unterschiedliche Umgang mit den Ängsten; während Marie-Luise und Anna (K.G.) sich intensiv mit der Geburt beschäftigt und Ängste mit dem Partner durchgesprochen haben, vermeidet Inga (th.G.) die Auseinandersetzung und Swantje (th.G.) schiebt das Geburtsthema vollkommen von sich weg. Allerdings war sie sich ganz sicher, dass sie unbedingt eine PDA haben will. Weiterhin finden sich bei ihr Hinweise auf Trennungsängste angesichts der Geburt: sie bringt deutlich zum Ausdruck, dass sie am Ende der Schwangerschaft nicht dazu bereit war, ihr Kind herzugeben, sondern die als gemütlich bezeichnete Symbiose weiterhin genießen wollte; keine der nicht depressiven Frauen bringt vergleichbare Gefühle zum Ausdruck, die an Halberstadt-Freuds (1993) Ansatz von der "Illusion der Symbiose" erinnern.
Karin (th.G.) wiederum neigt in ihrem Schwangerschaftsbericht zur Bagatellisierung von Ängsten. Diese kommen nur indirekt zur Sprache, etwa als sie erzählt, dass sie gelesen habe, um die Angst vor der Geburt fernzuhalten.
Die gedankliche Vorbereitung auf die Familiengründung beschäftigte insbesondere die Frauen aus der Kontrollgruppe, so beschreibt Claudia Gedanken hinsichtlich der Ablösung von der (zukünftigen) Großelterngeneration, Anna bespricht ihre Ängste über die Rolle der "Schwiegermutter" in der zukünftigen Familie ausgiebig mit ihrem Partner, und Marie-Luise hat am Geburtsvorbereitungskurs besonders geschätzt, dass dort Probleme angesprochen werden können und die Teilnehmer zu Nachdenken über wichtige Themen in Zusammenhang mit der Mutterschaft angeregt werden. Karin (th.G.) hat dagegen gehofft, dass nach der Geburt alles besser werden würde als in ihrer durch Krankheiten und Prüfungsstress belasteten Schwangerschaft, Inga (th.G.) hat sich von den Warnungen einiger Freunde, dass nach der Geburt einschneidende Veränderungen auf das Paar zukommen werden, distanziert und auf ihre planerischen Fähigkeiten gehofft, Swantje (th.G.) schließlich hat sich vorgestellt, dass sie nach der Geburt schön sein und ihr schön angezogenes Kind überall herumzeigen werde. Somit wirken die Frauen der thematische Gruppe in ihrer gedanklichen Vorbereitung wenig realitätsbezogen, was zu Erschrecken und Enttäuschung nach der Geburt führen muss.
Geburtserlebnis: Bei der vergleichenden Betrachtung fällt sofort auf, dass die Entbindung rückblickend von den depressiven Frauen negativ und von den nicht depressiven positiv bewertet wird. Marie-Luise (K.G.) räumt zwar ein, dass die Schmerzen schlimmer waren als erwartet, sie äußert sich jedoch positiv über den unkomplizierten Verlauf (wobei ihre medizinischen Kenntnisse zu berücksichtigen sind), über die Wirkung der PDA und insbesondere über die Unterstützung ihres als feinfühlig geschilderten Partners. Anna (K.G.) spricht sogar von der "tolle(n) Geburt", obwohl sie sich eine Zeitlang alleingelassen gefühlt hat, und Claudia (K.G.) hebt die Freundlichkeit des Kreißsaalteams (trotz der wohl wenig freundlichen Aufnahme) und die Freude beim Erstkontakt mit ihrem Kind besonders hervor. Aus den Geburtsberichten der Frauen aus der Kontrollgruppe spricht Selbstvertrauen. Alle drei haben darüber hinaus ihre Kinder spontan geboren, dagegen finden sich in der thematischen Gruppe eine Spontangeburt (Karin) und zwei Geburten durch Saugglocke (Inga und Swantje). Die Geburten der postpartal depressiven Frauen waren insgesamt komplikationsreicher: Sowohl Karin als auch Swantje berichten von suspekten kindlichen Herztönen, bei Karin musste aus diesem Grund die Wassergeburt abgebrochen werden. Swantjes Mutterkuchen löste sich nicht spontan ab, und sie erlitt einen hohen Blutverlust, was ihre Gesamtbefindlichkeit ebenfalls negativ beeinflusst hat.
Die Geburtsform (spontane vs. operative Entbindung) erlaubt jedoch keinen eindeutigen Rückschluss auf das Geburtserleben: so schildert Karin mehr als jede andere Gesprächspartnerin die Geburt als bedrohlich und beängstigend, ja als traumatisch. Die im Kreißsaal erlebte Angst vergleicht sie mit den Ängsten, die sie während der ersten Zeit ihrer schweren Depression durchlitten hat. Sie schildert Todesangst, Gefühle der Hilflosigkeit und der Verlorenheit und eine unerfüllte Sehnsucht nach mütterlicher Zuwendung. Ihren Partner erlebte sie als nicht hilfreich, die Hebamme verließ oft den Kreißsaal. Wie bereits in der Einzelfalldarstellung hervorgehoben, eröffnet Karins Geburtsbericht einen wesentlichen Zugang zum Verständnis ihrer Erkrankung. Es ist denkbar, dass dieses Erlebnis eine derartige Erschütterung darstellt, dass abgewehrte Ängste und Konflikte mobilisiert wurden, die sie zunächst vollkommen überfordert haben.
Sowohl Inga als auch Swantje (beide aus der th.G.) heben bereits im Schwangerschaftsbericht die für sie zentrale Bedeutung der PDA hervor, beide bringen wenig Selbstvertrauen, mit den Schmerzen zurechtkommen zu können, zum Ausdruck. So bezeichnet Inga die PDA als ihren "Rettungsanker", wobei ihr ein Kaiserschnitt als Ausweichmöglichkeit am liebsten gewesen wäre, und Swantje war sich sicher, dass sie unbedingt eine PDA haben will. Beide sind jedoch von der schmerzbekämpfenden Wirkung enttäuscht. Nun ist es möglich, dass bei ihnen die Anästhesie nicht so gut gewirkt hat, wie z.B. bei Marie-Luise, jedoch erscheint mir ein anderer Aspekt ebenso bedeutungsvoll: beide Frauen bringen deutlich eine externe Kontrollüberzeugung (vgl. Tabelle 6) zum Ausdruck, während Marie-Luises Bericht für eine interne Kontrollüberzeugung spricht. Auf diesem Hintergrund wäre es denkbar, dass die PDA nicht nur schlechter gewirkt hat, sondern dass dieses Ausfallen eines "Rettungsankers" darüber hinaus aufgrund eines fehlenden Selbstvertrauens Gefühle der Angst und der Hilflosigkeit mobilisiert hat. Außerdem haben beide (Inga und Swantje, th.G.) eine der diensthabenden Hebammen als lieblos empfunden, was das Geburtserleben negativ beeinflussen muss; da die Entbindung eine Situation besonderer Verletzlichkeit darstellt. Auch Karin würde sich für eine zweite Geburt wünschen, ihre Hebamme vorher zu kennen, was die ungünstige Betreuungssituation noch einmal deutlich werden lässt. Die Bedeutung einer liebevollen Betreuung im Kreißsaal, die unter anderem eine ausreichende personelle Besetzung voraussetzt, wird hier sichtbar.
Es folgt nun die Betrachtung der nur die thematischen Gruppe betreffenden Kategorien Beginn der Depression, Behandlung, zentrale Aspekte beim Erleben der Depression:
Beginn der Depression: Während dieser bei Karin rückblickend in der ersten Woche post partum (4.-5.Tag) anzusiedeln ist, berichten Inga und Swantje zwar von einem intensiven "Babyblues", geben jedoch als Erkrankungsbeginn die 3./4. Woche (Swantje) bzw. den dritten Monat post partum (Inga) an. Bei Swantje ist die Bedeutung der gleichzeitigen Dienstreise ihres Partners besonders hervorzuheben, zumal sie nach der Geburt unter Trennungsängsten gelitten hat. Inga hatte kurz vor dem Auftreten der Symptomatik ausgesprochen zügig medikamentös abgestillt, was sicherlich einen Beitrag zur Entwicklung des depressiven Störungsbildes geleistet hat. Beim Vergleich der Berichte fällt auf, dass sich Karin mit ihren Ängsten sehr spät mitgeteilt hat und es ihrer Mutter zu verdanken ist, dass sie ärztliche Hilfe gesucht hat. Dagegen leiteten sowohl Inga als auch Swantje die ersten Schritte selbst in die Wege bzw. haben selbst erkannt, dass sie Hilfe brauchen. Swantje wurde allerdings von ihrer Hebamme zur Psychiaterin begleitet, welche wiederum die Ärztin als Spezialistin für Wochenbettdepressionen ausfindig gemacht hatte.
Behandlungsart: Hier & wird der unterschiedliche Schweregrad der Erkrankung deutlich; Karin hat unter einer schweren, nach meinem Kenntnisstand jedoch nicht psychotischen, depressiven Episode gelitten und musste fünf Monate lang stationär behandelt werden. Inga wurde während der akuten Phase (14 Tage) zu Hause von Partner und Mutter rund um die Uhr betreut, so dass auch bei ihr von einer zumindest mittelschweren depressiven Episode ausgegangen werden muss. Swantjes Ärztin schilderte mir deren Depression als eher leicht, dafür spricht, dass auf eine medikamentöse Behandlung verzichtet werden konnte, die sie zudem auch abgelehnt hat.
Erleben der Depression: Diese Erfahrung ging bzw. geht bei allen Frauen mit z.T. als existentiell bedrohlich erlebten Ängsten einher, Karin berichtet von der Angst wahnsinnig zu werden und von der Angst vor einem Kontrollverlust, da sie unerträgliche Phasen der Agitiertheit durchlitten hat, während deren sie vor Verzweiflung mit dem Kopf gegen die Wand gerannt ist. Das Thema Kontrolle zieht sich durch die Berichte aller drei Frauen. So leiden Swantje und Inga darunter, mit Kind nicht mehr planen zu können, und Inga ist froh darüber, nicht mehr stillen zu müssen, weil sie seitdem die Trinkmengen ihres Kindes kontrollieren kann. Ihre Beschreibung eines Heftchens, in dem sie die Trinkmengen genau notiert hat, ist eindrucksvoll und spricht von einer großen Ängstlichkeit bezüglich der Versorgung ihres Kindes während der ersten Monate.
Sowohl Swantje als auch Inga beschreiben bereits vor Auftreten der Depression ein beachtliches Kontrollbedürfnis: so hasst Swantje generell "dieses Chaosgefühl", und Inga betont ihr schon immer ausgeprägtes Bedürfnis zu planen.
Besonders Karin und Inga leiden bzw. litten unter einer ausgeprägten inneren Unruhe; Swantje schildert ein Fehlen an Gelassenheit. Während sowohl Karin als auch Swantje von Suizidgedanken sprechen, ist es Inga ausgesprochen wichtig gewesen, ihrer Umgebung (Familie, Ärztin) zu versichern, dass sie weder sich selbst noch ihrem Kind etwas antun wolle.
Karin beschreibt das Gefühl, "nicht dazuzugehören", und Swantje berichtet von großer Einsamkeit und Isolation. Während Karin sich von ihrem Partner nicht verstanden fühlt, was sie jedoch z.T. bestehenden Wesensunterschieden zuschreibt, stellt Swantje ihren Mann als vollkommen rücksichts- und verständnislos und nicht unterstützend dar. Zwar räumt sie auf meine Nachfrage hin ein, dass sie mehrmals gemeinsam bei ihrer Psychiaterin waren, die eine Paartherapie vorgeschlagen hat, jedoch befürchtet sie, dass sich nichts ändert, sie sprächen zwar beide über Veränderungen, seien jedoch zu "faul", um eine Therapie in Angriff zu nehmen. Lediglich Inga schildert ihren Partner als verständnisvoll und die Beziehung als Unterstützung.
Alle drei Frauen berichten von der Angst, dass ihr Kind unter der Depression leiden könnte. Karin hat insbesondere innerhalb der ersten Monate den Wunsch verspürt, ihr Kind abgeben zu können, und beschreibt zeitweise negative Gefühle ihrer Tochter gegenüber, der sie die Schuld für ihre Depression gegeben habe. Inga leidet besonders unter der ständigen Verantwortung fürs Kind und strebt an, etwas davon abzugeben, indem sie einen Kindergartenplatz sucht. Swantje bezeichnet die ständige Anwesenheit ihres Kindes als großes Problem; sie fühle sich dadurch gefangen.
Inga, die ihre aktuelle Befindlichkeit positiv bewertet, hat einige Monate vor dem Interview eine Psychotherapie angefangen und hat das Gefühl, Fortschritte zu machen, so falle es ihr inzwischen leichter, sich auch in einer weniger aufgeräumten Wohnung wohl zu fühlen. Karin sucht zur Zeit nach einer Psychotherapeutin, nach der Entlassung aus der Klinik habe sie erst einmal das Gefühl gehabt, den Alltag in den Griff bekommen zu müssen. Swantje hingegen lockert den Kontakt zu ihrer Psychiaterin, sie glaubt, die Gespräche nicht mehr so zu brauchen.
Aktuelle Lebenszufriedenheit: Bezüglich dieser Kategorie fällt auf, dass innerhalb der Kontrollgruppe die Zufriedenheit deutlich überwiegt; so nennt Anna ihr Leben als Mutter schöner und wertvoller als ihr früheres Leben. Sie weist jedoch auch auf die Einschränkungen und Anstrengungen des Lebens mit Kind hin. Claudia spricht bei aller Zufriedenheit vom Alltagstrott, so dass der Eindruck entsteht, dass sie frühere Freizeitunternehmungen und Reisen, die sie sehr genossen hat, vermisst. Marie-Luise schließlich bezeichnet sich als sehr zufrieden.
Innerhalb der thematischen Gruppe fällt Ingas große Zufriedenheit ins Auge; ihr Leben könne ruhig so weitergehen, wie es jetzt ist. Karin hingegen bemerkt: "Es ist noch überhaupt nichts gut..." und fühlt sich dadurch motiviert, psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Swantje lässt ein Wunschdenken durchblicken, das vermutlich wenig hilfreich für sie ist: "Ich wär' gerne glücklich!" Somit wird deutlich, dass Inga die Depression am ehesten überwunden hat, was vermutlich u.a. ihrer Bereitschaft zur Psychotherapie und ihrer positiv bewerteten Partnerschaft zu verdanken ist.
Beziehungen (Tabellen 5a / 5b)
Beziehung zum Kind: Hier ist der Altersunterschied der Kinder zu berücksichtigen; Anna (K.G.) und Swantje (th.G.), deren Babys zum Zeitpunkt des Interviews erst vier Monate alt waren, hatten vergleichsweise weniger Zeit, in die neue Rolle als Mutter hineinzuwachsen als die anderen Interviewpartnerinnen.
Aus Annas (K.G.) Bericht geht deutlich hervor, dass sie zunächst eine sehr harte Zeit der Gewöhnung an die neue Situation durchlebt hat; sie beschreibt ihre Tochter als häufig und lang anhaltend schreiendes Baby, das sie und ihren Partner an die Belastungsgrenzen gebracht hat. Nach einer Zeit des Rückzugs von der Außenwelt, die etwa die ersten drei Monate umfasst hat, habe das Schreien jedoch nachgelassen, aktuell genießt sie das lebhafte Temperament ihrer Tochter, die sie voller Stolz als "frühreif" bezeichnet. Es fällt ihr eher schwer, ihr Kind anderen zu überlassen; als sie sie etwa mit drei Monaten zum ersten Mal für zwei Stunden ihren Schwiegereltern anvertraut hat, seien Tränen geflossen. Marie-Luise (K.G.) genießt die enge Mutter-Kind-Bindung und freut sich über die Entwicklung ihres Sohnes und über das gute gegenseitige Kennen und aufeinander Reagieren. Sie nimmt ihren Partner in die Beziehung hinein, obwohl ihr das ein wenig schwer zu fallen scheint. Claudia (K.G.) berichtet über Freude am Spiel mit ihrem Kind, dessen verzögerte motorische Entwicklung sie jedoch beunruhigt. Obwohl sie ihr Phantasiebaby einen lebhaften Jungen aufgeben musste, beschreibt sie das Wesen ihrer Tochter sehr liebevoll. Alle drei Mütter habe ich in der Interaktion mit ihrem Kind als liebevoll und feinfühlig erlebt, wobei die Beobachtungszeit bei Anna nur kurz war ("Stillpause").
Bereits im Rahmen der Auswertung der Tabelle 4b wurde erwähnt, dass die Mütter aus der thematischen Gruppe Angst verspüren, die Depression könne ihrem Kind schaden bzw. es könne etwas davon mitbekommen. Hinzu kommt eine große Unsicherheit bei der Deutung kindlicher Signale bei Swantje und Inga. In Ingas Bericht spielt darüber hinaus die Angst vor der Verantwortung für ihr Kind eine ganz große Rolle; schon kurz nach der Geburt habe es sie ganz unangenehm berührt, für ihr Kind zuständig zu sein. Als Gegenbeispiel ist hier Anna (K.G.) zu nennen, die darauf bestand, ihr Baby in der ersten Nacht nach der Geburt bei sich im Zimmer zu behalten, und das Krankenhaus am Tag nach der Geburt verließ.
Angst vor der Verantwortung bringt auch Swantje zum Ausdruck, darüber hinaus habe sie nach der Geburt unter Verlustängsten (auf Mann und Kind bezogen) gelitten. Zur Zeit stellen die Abhängigkeit des Kindes und seine ständige Anwesenheit eines ihrer größten Probleme dar, einige Bemerkungen in diesem Zusammenhang lassen verdeckte Aggressionen durchblicken. Weiterhin spricht eine ausgeprägte Konkurrenz zwischen mütterlichen und kindlichen Bedürfnissen aus ihrem Bericht; nun ist dies sicherlich ein Aspekt, der alle Mütter betrifft, er wird jedoch von den Frauen aus der Kontrollgruppe in dieser Form nicht problematisiert. Hier mag als bedeutsam hinzukommen, dass Swantje einen lebhaften Wunsch nach Selbsterhöhung durch ihr Kind zum Ausdruck gebracht hat und möglicherweise auf diesem Hintergrund doppelt enttäuscht ist, dass ein Baby zunächst einmal vorwiegend nimmt und den geschilderten Wunsch nicht erfüllt.
Auch Karin spricht das Thema der Konkurrenz zwischen Mutter und Kind an: wenn sich ihr Partner in den ersten Tagen nach der Geburt um ihr Kind gekümmert habe, sei sie eifersüchtig geworden, da sie sich ebenfalls sehr hilfsbedürftig gefühlt habe. Sie leide vor allem unter den fehlenden Gefühlen ihrer Tochter gegenüber, deren Bedürfnisse sie gern intuitiv erfassen möchte. Ihre Vorstellungen von sich selbst als Mutter nicht erfüllen zu können, belaste sie sehr. Andererseits sprechen aus ihrem Bericht auch mütterlicher Stolz und Freude, etwa wenn sie das lebhafte und aufgeweckte Wesen des Kindes beschreibt.
In der Interaktion mit ihrem Kind habe ich Inga als feinfühlig und Karin als feinfühlig bei ausgeprägt dysphorischer Stimmung erlebt. Als problematisch und wenig feinfühlig (eher wie mit einer Puppe) empfand ich die Interaktion Swantjes mit ihrem Baby, die im Rahmen der Einzelfalldarstellung ausführlich geschildert wurde.
Diese Beobachtungen und die Berichte der depressiven Frauen lassen deutlich werden, dass die Depression eine Belastung für die Mutter-Kind-Beziehung darstellt, so dass auch unter diesem Aspekt eine psychotherapeutische Begleitung als unbedingt nötig anzusehen ist. Die Mutter-Kind-Beziehung wird von den nicht depressiven Frauen insgesamt als unkomplizierter dargestellt, obwohl auch sie Belastungen und Ängste thematisieren.
Partnerschaft: Auch hier & fallen deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen auf: die nicht depressiven Frauen bewerten ihre Beziehungen durchweg positiv und berichten von Unterstützung durch ihren Partner. Dabei kommt der emotionalen Unterstützung offenbar besondere Bedeutung zu: so stellt etwa Marie-Luise ihren Partner als in Haushaltsdingen eher unerfahren dar, Haushalt und Kind seien eher ihr Revier. Besonders im Geburtsbericht kommt eine große emotionale Nähe der Partner zum Ausdruck, die vermutlich besonders zur positiven Bewertung der Beziehung beiträgt. Claudia berichtet von gemeinsamen Gesprächen mit ihrem Mann über Probleme in ihrer Herkunftsfamilie und über Vorsätze für die eigene Familie; auch hier zeigt sich emotionale Nähe. Haushalt und Kinderbetreuung bewältigt sie wohl vorwiegend alleine, so berichtet sie davon, dass ihr Partner ihr vor allem am Wochenende immer wieder Hilfe anbiete und dass er entsetzt darauf reagiere, wie selten sie von sich aus Bescheid sage, wenn sie ihn brauche. Anna hingegen berichtet sowohl von emotionaler als auch von praktischer Unterstützung, wobei zu berücksichtigen ist, dass ihr Partner sein Studium gerade abgeschlossen hat und noch nicht arbeitet.
Von den postpartal depressiven Frauen bewertet nur eine, nämlich Inga, ihre Partnerschaft positiv. Sie berichtet davon, dass ihre Beziehung gut eingespielt sei, allerdings fällt mir auf, dass sie ihre Ängste während der Schwangerschaft ihrem Mann nicht mitteilt ganz im Gegensatz etwa zu Anna (K.G.) um ihn zu schützen, wie sie sagt. Damit unterschätzt sie wohl ihr eigenes Bedürfnis nach Schutz und Unterstützung. Sein großes Verständnis für ihre Depression erstaunt und erfreut sie. Während der akuten Phase hat sie die Erfahrung gemacht, auf ihn und auf ihre Mutter zählen zu können; sie wurde rund um die Uhr nicht allein gelassen, worin sich ein großer familiärer Rückhalt zeigt. Bemerkenswert ist auch das positive gemeinsame Geburtserlebnis des Paares. Karin hingegen schildert die Anwesenheit ihres Partners im Kreißsaal als wenig hilfreich. Sie bewertet ihre Partnerschaft sehr kritisch und berichtet von Trennungsgedanken. Als Hauptproblem nennt sie die Wesensunterschiede zwischen sich und ihrem Freund, die sich darin äußern, dass sie mit ihm nicht über Probleme reden könne, jedoch feststelle, dass sie gerade das am allernötigsten brauche. Diese Unterschiede seien durch die Depression stärker hervorgetreten, hätten allerdings schon vorher bestanden. Sie gesteht ihrem Partner zu, dass er es ihr, bedingt durch ihre Stimmung, zur Zeit gar nicht recht machen könne. Im Gegensatz dazu zeigt Swantje in ihrem Bericht eine sehr vorwurfsvolle Haltung ihrem Mann gegenüber, dem sie recht einseitig Schuld an bestehenden Eheproblemen zuweist: er zeige sich vollkommen verständnis- und rücksichtslos, weshalb es häufig zu Streitereien komme. Erschwerend komme hinzu, dass sie noch nicht lange am aktuellen Wohnort leben (1½ Jahre) und Swantje außer ihrem Partner keine sozialen Kontakte habe, auf die sie zurückgreifen könne.
Der Zufriedenheit mit der Partnerschaft kommt damit eine große Bedeutung im Zusammenhang mit postpartalen Depressionen zu, wobei verschiedene Richtungen der Kausalität denkbar sind, die einander nicht ausschließen:
Die Entwicklung der Depression wird (unter anderem) durch die wenig positiv erlebte Partnerschaft begünstigt.
Die Partnerschaft wird durch die Erfahrung der Depression ungünstiger bewertet.
Andere relevante Variablen beeinflussen die Partnerschaft ungünstig und tragen gleichzeitig zur Entstehung der Depression bei (hier wären z.B. Rückzugstendenzen und ein niedriger Selbstwert als mögliche Variablen zu nennen).
à Ein Zutreffen aller drei Hypothesen und eine sich verstärkende Wechselwirkung ist ebenfalls denkbar.
Bedeutsam ist sicherlich die von den Frauen aus der Kontrollgruppe beschriebene emotionale Nähe zu ihrem Partner, die als eine wichtige Grundlage für eine gemeinsame Familiengründung und die damit einhergehenden, tiefgreifenden Umstellungen angesehen werden kann.
Beziehung zur Mutter: Nur eine Interviewpartnerin, Marie-Luise (K.G.) bezeichnet die Beziehung zu ihrer Mutter als sehr gut und unproblematisch. Sie berichtet, dass sie durch die Erfahrung der Mutterschaft die Leistungen ihrer Mutter besser würdigen könne. Es falle ihr zwar insgesamt schwer, um Hilfe zu bitten, dies gelte jedoch am wenigsten für ihre Mutter, die sie z.B. nach der Geburt um Unterstützung im Haushalt gebeten habe. Sowohl Anna als auch Claudia (beide K.G.) berichten von problematischen Aspekten der Mutter-Tochter-Beziehung. So habe Anna ihre alleinerzeihende Mutter oft als überlastet erlebt und sei enttäuscht darüber gewesen, dass sie wenig mit ihr unternommen habe. Dabei hat sie die Enttäuschung nicht gegen sich selbst gerichtet, sondern ihrer Mutter Vorwürfe gemacht, wofür sie sich heute schäme; inzwischen empfinde sie, bedingt durch die eigenen Erfahrungen mit der Mutterschaft, Hochachtung vor der Leistung ihrer Mutter und versuche nun, alles wieder gut zu machen. Claudia schildert eine Zweiteilung innerhalb ihrer Familie, wobei ihre Mutter die große Schwester vorgezogen habe, während sie der Liebling ihres Vaters gewesen sei. Durch diese Bevorzugung und das als überfürsorglich und dominant erlebte Wesen ihrer Mutter sei die Beziehung belastet gewesen. Während der Zeit, in der eine Krebserkrankung bei der Mutter festgestellt worden sei, habe sich die Beziehung jedoch verbessert, beide haben "besser zueinander gefunden ... als vorher". Über die große Freude ihrer Mutter an ihrem Enkelkind freut sie sich mit.
Bei allen Problemen wirkt die Schilderung der Mutter-Tochter-Beziehung kohärent, Anzeichen von Ambivalenz sind nicht zu finden, es entsteht der Eindruck, dass beide Gesprächspartnerinnen sich mit den problematischen Beziehungsaspekten auseinandergesetzt haben.
Darüber hinaus finden sich in den Berichten der nicht depressiven Frauen keine Hinweise darauf, dass sie von ihrer Mutter noch nicht gut abgelöst wären.
Die Frauen aus der thematischen Gruppe stellen ihre Mutter-Tochter-Beziehung diesbezüglich anders dar: so stellt Inga fest, sie sei von ihrer Mutter noch nicht "abgenabelt", Karin wendet sich mit Problemen eher an ihre Mutter als an ihren Partner, und Swantjes Schilderung der Mutter-Tochter-Beziehung zeugt von tiefen, nicht bearbeiteten Konflikten, was ebenfalls gegen eine vollzogene Ablösung spricht.
Sowohl aus Ingas als auch aus Swantjes Bericht spricht große Ambivalenz, wenn es um ihre Mutter geht. So stellt Inga ihre Mutter zunächst uneingeschränkt als ihr Vorbild dar, insbesondere hinsichtlich ihrer Berufstätigkeit und ihrer "gleichbleibende(n) Stimmung". Erst nach und nach kommt im Gespräch heraus, dass sie unter den besitzergreifenden Zügen der Mutter leidet und sich viel mehr Distanz wünscht. Interessant ist auch ihre Begründung dafür, sich erst mit sechsunddreißig für ein Kind entschieden zu haben (mit ihrem Mann war sie zu diesem Zeitpunkt bereits vierzehn Jahre lang zusammen): sie habe es selbst oft nicht schön gefunden, so junge Eltern zu haben, insbesondere als Teenager habe es sie gestört, dass sie kaum etwas ohne sie habe unternehmen können. Hier kann man von einer verschwommenen Generationsgrenze sprechen, welche die Ablösung eines Kindes sicherlich erschwert. Inga leidet unter dem Gefühl, der Lebensinhalt ihrer Mutter zu sein, für die sie wichtiger sei als ihr Vater (bzw. Adoptivvater). Mit Hilfe ihres Mannes versuche sie nun, sich von ihrer Mutter mehr zu lösen, wobei es ihr offensichtlich schwer fällt, Grenzen zu setzen, da sie niemanden verletzen will und zudem während der akuten Phase ihrer Erkrankung auf die Hilfe ihrer Mutter angewiesen war.
Swantje berichtet davon, während ihrer ersten drei Lebensjahre fremdbetreut worden zu sein. Durch die Erfahrung der Mutterschaft könne sie sich jetzt vorstellen, was dies damals für sie bedeutet habe; sie empfinde nun Wut darüber, schon so früh von ihrer Mutter getrennt worden zu sein. Es ist denkbar, dass sie auf diesem Hintergrund keine sichere, sondern entweder eine unsicher-vermeidende, oder eine unsicher-ambivalente Bindung aufgebaut hat, was weitreichende Folgen für das Erleben und Gestalten späterer Bindungen haben kann.
Sie stellt weiterhin fest, dass sie "psychologische Sachen" nicht mit ihrer Mutter bespricht, und erwähnt große Bedenken, sie nach der Geburt um Hilfe zu bitten, was sie jedoch in ihrer Not dennoch getan habe. Andererseits beteuert sie, ein tiefes und inniges Verhältnis wenn auch vollkommen ohne körperliche Zärtlichkeiten zu ihrer Mutter zu haben: hier entsteht ein ausgesprochen inkohärentes Bild dieser Beziehung, die nach meiner Einschätzung einer Aufarbeitung bedarf. Sie bringt zum Teil eine große Distanz zwischen sich und ihrer Mutter zum Ausdruck, etwa wenn sie angesichts der Freude ihrer Mutter über ihr Enkelkind bemerkt: "...des find' ich schön für sie. *4*" Diese Freude kann offenbar nicht gemeinsam erlebt werden, Swantje grenzt sich hier beinahe trotzig ab.
Karin bezeichnet die Beziehung zu ihrer Mutter als gut, sie könne aktuelle Partnerschaftsprobleme gut mit ihr besprechen. Meine Frage, ob ihre Mutter schon immer ein gutes Gespür für ihre Stimmungen gehabt habe, beantwortet sie einschränkend mit "oft", woran sich eine lange Pause anschließt. Im Verlauf der Gespräche, insbesondere beim dritten Termin, kommen nach und nach ihre Probleme mit der Depression ihrer Mutter zum Vorschein, die etwa in Karins zwölften Lebensjahr begonnen und sich über Jahre hingezogen habe. Sehr verhalten räumt sie ein, dass sie "schon dann, * Schwierigkeiten" gehabt habe; besonders durch das viele Weinen ihrer Mutter habe sie sich schuldig und völlig hilflos gefühlt und große Angst gehabt, etwas Falsches zu sagen. Während ihrer Zeit im Internat habe sie daher auch den Kontakt zur Mutter eingeschränkt. Auf mögliche Folgen dieser Probleme wurde in Karins Einzelfallbeschreibung schon deutlich hingewiesen. Aus ihrem Bericht geht hervor, dass die Zeit der Depression ihrer Mutter tiefe Spuren hinterlassen hat, die sie angesichts ihrer verhaltenen Schilderung offenbar nicht aufgearbeitet hat. Gefühle wie Ärger oder Wut darüber, unter der mütterlichen Erkrankung gelitten zu haben, kommen in keiner Weise zum Ausdruck. Es erscheint naheliegend, dass sie ihre Mutter beschützen wollte, was an einen Rollentausch denken lässt.
Vergleicht man nun die Mutter-Tochter-Beziehungen der Frauen aus der thematischen und der Kontrollgruppe, so fallen eine größere Konflikthaftigkeit, Ambivalenz und eine nicht vollzogene Ablösung von der Mutter bei den depressiven Frauen auf die insbesondere bei Swantje anlässlich der Geburt des Kindes stärker hervortritt.
Kognitive Variablen (Tabelle 6)
Kontrollüberzeugung (Locus of control): Hier ist festzustellen, dass aus den Berichten der nicht depressiven Frauen eine interne (Marie-Luise) bzw. eine eher interne (Anna, Claudia) Kontrollüberzeugung spricht. Annas und Claudias Kontrollüberzeugung scheint durch die neuen Aufgaben als Mutter etwas ins Wanken zu geraten (bei Anna zunächst durch ihr "Schreikind", Claudia wirkt durch die motorisch eher langsame Entwicklung ihrer Tochter verunsichert und fragt sich, was sie zu ihrer Motivation zu krabbeln beitragen kann), ohne dass jedoch von einer externen Kontrollüberzeugung gesprochen werden kann, da beide Strategien zur Bewältigung ihrer Situation entwickeln, wozu es einer eher internen Kontrollüberzeugung bedarf; so geht Anna mit ihrer Tochter im Wagen häufig in Shopping-Centern spazieren, da sie dort zufriedener wirkt und weniger schreit, und Claudia geht mit ihrem Kind zum Säuglingsschwimmen, um ihre Entwicklung zu fördern.
Die Berichte der Frauen aus der thematischen Gruppe sprechen jedoch für eine eindeutig externe (Swantje) bzw. eine eher externe (Karin und Inga) Kontrollüberzeugung.
Swantjes externe Kontrollüberzeugung kommt deutlich in einem häufigen, so oder ähnlich formulierten Satz zum Ausdruck: "Es ist halt so!" Auf meine Frage, was ihr dabei helfen könnte, ihre Situation zu verbessern, antwortet sie seufzend: "Ja, das überleg' ich auch die ganze Zeit, das is' ja des, wenn ich das wüsste, da hätt' ich ja keine Probleme mehr!". Besser ginge es ihr, wohnte sie an einem Ort, wo sie Familie bzw. Freunde hat: "Aber es IS' halt nicht so".
Inga bringt eine eher externe Kontrollüberzeugung durch häufiges Reden vom Schicksal oder von Fügungen (etwa dass ihre Mutter genau zum Zeitpunkt ihrer Entbindung in Frührente geht und darum mehr Zeit für Inga hat) zum Ausdruck. Aktuell freut sie sich jedoch über ihre Erfolge im Rahmen der Psychotherapie und berichtet davon, viel für die Verbesserung ihrer Situation zu tun, was für eine Änderung hinsichtlich ihrer Kontrollüberzeugung spricht.
Karins große Hilflosigkeit nach der Geburt kann als Hinweis auf eine eher externe Kontrollüberzeugung angesehen werden, aktuell gibt es diesbezüglich Anzeichen einer Veränderung, so spricht sie vom Wunsch, sich ihrem Leben wieder zu stellen und es selbst in die Hand zu nehmen, wozu ein gewisses Maß an interner Kontrollüberzeugung nötig ist. Auch ihre Suche nach einer Psychotherapeutin spricht für die Absicht, ihre Situation positiv zu beeinflussen.
Attributionsstil: Hinweise & fanden sich nicht bei allen Interviewpartnerinnen, so lassen sich im Bericht von Marie-Luise keine eindeutigen Belege, etwa für interne Attribution von Misserfolg oder von Erfolg, ausmachen. Ein eindeutiger Gruppenunterschied lässt sich ebenfalls nicht feststellen: sowohl Anna und Claudia (K.G.) als auch Karin und Inga (th.G.) zeigen Beispiele interner Attribution von Misserfolg. Swantje (th.G.) neigt dazu, ihrem Umfeld und insbesondere ihrem Partner einseitig die Schuld an ihrer Situation zuzuschreiben, was als externe Attribution von Misserfolg betrachtet werden kann. Bei Claudia und Inga haben die Beispiele interner Attribution von Misserfolg mit ihrem Kind zu tun, was die Verunsicherung in der Mutterrolle widerspiegelt. Inga attribuiert jedoch auch den Erfolg, ein fröhliches Kind zu haben, intern, das heißt, sie betrachtet es als z.T. ihr Verdienst. Es ist bemerkenswert, dass sich unter den gefundenen Hinweisen auf das Attributionsverhalten insgesamt mehr Beispiele für eine interne Attribution von Misserfolg befinden. Darin könnte sich eine Verunsicherung der Frauen in der neuen Mutterrolle bzw. eine größere Verletzlichkeit des Selbstvertrauens während des Übergangs von der Frau und Partnerin zur Mutter ausdrücken.
Handlungsbereitschaft / Copingstrategien: Diese sind bei zwei Interviewpartnerinnen im Wandel begriffen. Im Schwangerschaftsbericht finden sich sowohl bei Karin als auch bei Inga (beide th.G.) Beispiele für "emotional-fokussierte Copingstrategien", wie Wunschdenken oder Vermeidung, wobei Inga auch & von "problem-fokussierten Copingstrategien", wie z.B. der Suche nach Müttergruppen, an die sie sich nach der Geburt anschließen kann, spricht. Bei beiden findet offenbar z.Zt. eine Hinwendung zu "problem-fokussierten Copingstrategien" statt, indem sie aktiv Kontakte suchen bzw. wiederaufnehmen (Karin) und sich um Psychotherapie kümmern (Karin) bzw. in Therapie sind (Inga). Im Falle Ingas ist die stundenweise Wiederaufnahme ihrer Berufstätigkeit als "problem-fokussierte Copingstrategie" anzusehen, die ihr Kontakt zu ihrem früheren Umfeld ermöglicht und sich auf ihr Selbstwertgefühl sicherlich positiv auswirkt, da sie sich im Beruf als erfolgreich erlebt. Überwiegend "emotional-fokussierte Copingstrategien" gehen aus Swantjes (th.G.) Bericht hervor, hier finden sich reichlich Beispiele für Wunschdenken und Vermeidung. So vermeidet sie die Gespräche mit ihrer Ärztin, indem sie die Abstände zwischen den Terminen vergrößert, und sie vermeidet es bereits vor und während der Schwangerschaft, Beziehungen am (relativ) neuen Wohnort aufzubauen. Die von ihrer Ärztin geäußerte Idee einer Paartherapie bewertet sie positiv, bezeichnet sich und ihren Mann jedoch als zu "faul" dazu. Hier ist wenig Handlungsbereitschaft zu entdecken. Es erscheint mir bemerkenswert, dass sich Karin und Inga als im Vergleich zu Swantje viel schwerer depressiv erkrankte Frauen aktiv um eine Veränderung ihrer Situation bemühen, während Swantje in der Resignation verharrt.
Innerhalb der Kontrollgruppe überwiegen deutlich die Beispiele für "problem-fokussierte Copingstrategien", die sich z.B. in einer aktiven Auseinandersetzung mit Ängsten (Marie-Luise, Anna) oder in der aktiven Suche nach neuen Kontakten (Anna, Claudia) nach der Geburt äußern. Anna besucht eine Stillgruppe und nimmt Kontakt zu einer anderen Mutter eines "Schreikindes" auf, um Entlastung und Verständnis in ihrer Situation zu erfahren.
Beim Intergruppenvergleich ist also ein klares Überwiegen der "problem-fokussierten Copingstrategien" in der Kontrollgruppe und eine Tendenz zu "emotional-fokussierten Copingstrategien" in der thematischen Gruppe, die jedoch (bei zwei Frauen) einem Wandel unterliegt, festzustellen.
Affektive Variablen (Tabelle 7)
Ängste: Ein Vergleich der von den Frauen geäußerten Ängste zeigt, dass es Themen gibt, die diesbezüglich für alle / fast alle Interviewpartnerinnen bedeutsam sind. Dazu zählt die Geburt, die von allen Frauen mit Ausnahme von Claudia als bedrohlich erlebt wurde, wobei die Angst sich vorwiegend auf den Geburtsschmerz bezieht. Allerdings berichteten zwei Interviewpartnerinnen, Anna (K.G.) und Inga (th.G.), auch von der Angst, bei der Geburt sterben zu können. Anna und Swantje (th.G.) äußerten auf dem Hintergrund ihrer Vorgeschichte Angst vor einer Fehlgeburt, die bei Anna die ersten drei, bei Swantje die ersten fünf Monate umfasste. Anna (K.G.) erzählt von großen Ängsten während der Schwangerschaft, bei denen es um die zukünftige Familie, die Rolle ihrer "Schwiegermutter" und um die Solidarität ihres Partners ging. Von großer Angst während der Geburt, die als Todesangst bezeichnet werden kann, berichtet Karin, diese als überflutend empfundene Angst wurde im Rahmen des Vergleichs der Geburtserlebnisse bereits zur Sprache gebracht. Die Ängste nach der Geburt beziehen sich überwiegend auf die Versorgung des Kindes.
Darüber hinaus berichten die Mütter der thematischen Gruppe von Ängsten, die innerhalb der Kontrollgruppe nicht zur Sprache kamen, wie z.B. Verlustangst, die auf Kind und Partner bezogen ist, Todesangst, Angst, verrückt zu werden, Angst, nicht schlafen zu können, Angst vor der Verantwortung für ihr Kind, Angst vor Kontrollverlust und die Angst, dass das Kind unter der Depression leiden könne.
Umgang mit den Ängsten: Unterschiede zwischen der thematischen und der Kontrollgruppe zeigen sich jedoch nicht nur darin, wovor die Frauen Angst haben, sondern auch im Umgang mit den Ängsten: die Frauen aus der Kontrollgruppe berichten von einer Auseinandersetzung mit angstbesetzten Themen. Darüber hinaus hat sich insbesondere Anna ihrem Partner geöffnet und große Unterstützung erfahren; er habe ihr alle Ängste nehmen können und sie mit seinem Optimismus angesteckt. In der Tat spricht ihr Geburtsbericht dafür, dass sie ihre während der Schwangerschaft intensiv empfundenen Ängste hinter sich lassen konnte.
Innerhalb der thematischen Gruppe zeigt sich hingegen besonders präpartal eine Neigung, Ängste zu verharmlosen und zu verschweigen, so dass keine Entlastung von diesen Ängsten erlebt wurde. Karin wirkt auch während der Geburt mit ihren Ängsten alleingelassen: vom Partner fühlt sie sich nicht verstanden, die Hebamme verlässt oft den Kreißsaal, darüber hinaus sei es ihr nicht leichtgefallen, den Schmerz (und wohl auch die Angst) herauszuschreien; sie habe immer nur "so nach innen gebrummt", hier wirkt sie auf mich vollkommen in ihrer Angst gefangen. Erst nach der Geburt, im Zusammenhang mit der Depression, haben Karin und Inga ihre Ängste ihrem Partner und ihrer Mutter mitgeteilt.
Umgang mit Aggressionen: Diese Kategorie & ist innerhalb der Kontrollgruppe beinahe leer (in Marie-Luises und Claudias Bericht waren keine Hinweise zu finden), jedoch keineswegs ohne Aussage: Anna, die einzige Gesprächspartnerin dieser Gruppe, bei der Aggressionen ein Thema sind, kann diese Gefühle deutlich zum Ausdruck bringen, ob es die Wut darüber ist, nach der Aufnahme im Kreißsaal in die Badewanne "abgeschoben" und dort alleingelassen zu werden, oder Ärger über ihre Mutter, mit der sie gerne mehr unternommen hätte; sie richtet diese Aggressionen nicht gegen sich selbst. Im Gegensatz dazu finden sich in der thematischen Gruppe bei Inga und Karin deutliche Hinweise auf eine Aggressionshemmung. Swantje geht aus ihrem Bericht insgesamt nicht als aggressionsgehemmt hervor; so berichtet sie von häufigen Streitereien mit ihrem Mann. Aggressionen ihrem Kind gegenüber wurden für mich deutlich, von ihr selbst vermutlich jedoch nicht wahrgenommen bzw. abgewehrt.
Zukunftswünsche & Ressourcen (Tabelle 8)
Zukunftswünsche: Bei den Frauen aus der Kontrollgruppe drehen sie sich insbesondere um das Wohl des Kindes und der gesamten Familie, wobei Anna die Gefahr eines Krieges thematisiert und Marie-Luise einräumt, dass man die Entwicklung des Kindes nicht in der Hand hat; in beiden Fällen geht es also um Gefahren, die von außen kommen könnten. Bei Claudia spielt der Wunsch, weitere Kinder zu bekommen, die größte Rolle, wobei sie besonders gerne noch einen Jungen hätte. Berufliche Zukunftswünsche werden von allen Frauen genannt, jedoch an zweiter Stelle; insbesondere Marie-Luise räumt ein, dass Karriere für sie nicht mehr den ersten Platz einnimmt. Die Perspektive der Frauen lässt sich als familienorientiert beschreiben.
Auch innerhalb der thematischen Gruppe spielen das Wohl des Kindes und die Zukunft als Familie eine Rolle, so äußert Inga den Wunsch, ihr Kind so lange wie möglich begleiten zu können, und hofft, dass es später ein zufriedenes Leben führen kann und glücklich ist. Ihr Hauptwunsch ist es jedoch, gesund zu bleiben, worin sie mit Karin übereinstimmt, deren Hauptwunsch es ist, gesund zu werden; hier kommt die elementare und belastende Rolle der Depression im Leben der Frauen zum Ausdruck. Karin wünscht sich, sich selbst und die Gefühle für ihr Kind wiederzufinden, selbstsicherer und mit sich selbst wieder zufriedener zu werden. Swantje beschreibt ihren Wunsch, wieder gesund zu werden, recht salopp: "..dass ich besser drauf komme". Als weiteren Wunsch nennt sie "geordnete Verhältnisse", was sie nicht genauer ausführt. Weiterhin sehnt sie sich nach einer Verbesserung der Partnerschaft und nach Familienurlaub. Die Perspektive wirkt in dieser Gruppe eher genesungsorientiert, was noch einmal deutlich macht, dass die postpartale Depression als Krankheit erlebt wird und nicht etwa als verstärkte Anpassungsproblematik.
Ressourcen: Für die nicht depressiven Frauen sind ein hohes Selbstwertgefühl (Marie-Luise, Anna), Selbstvertrauen (alle drei) und überwiegend "problem-fokussierte Copingstrategien" zu nennen, weiterhin kommen eine eher interne Kontrollüberzeugung (alle drei), Offenheit (Anna, Marie-Luise) und nicht zuletzt eine positiv bewertete, emotional unterstützende Partnerschaft (alle drei) in ihren Berichten zum Ausdruck. Alle drei Frauen pflegen regelmäßige Kontakte und Freundschaften, insbesondere Claudia und Anna zeigen die Fähigkeit, Vertrauen zu investieren. Darüber werden in Marie-Luises Bericht ihre große Autonomie, ihre hohe Frustrationstoleranz und ihr reflektierter Umgang mit der neuen Situation deutlich.
Innerhalb der thematischen Gruppe erfreut sich lediglich Inga einer positiv bewerteten, unterstützenden Partnerschaft, zu deren Gelingen ihre Fähigkeit zum Perspektivenwechsel sicherlich beiträgt. Auch ihre Mutter ist als wichtige Unterstützung zu nennen, die Betreuung durch Partner und Mutter rund um die Uhr hat Inga möglicherweise eine stationäre Behandlung erspart. Ihr großes Verantwortungsbewusstsein und ihre Bereitschaft, sich mit der Depression auseinander zu setzen, haben sicher einen wesentlichen Anteil an ihrer Überwindung der Krise. Auch Karin konnte sich auf die Unterstützung ihrer Mutter verlassen, die wenige Tage nach der Geburt angereist sei, um ihrer Tochter zu helfen, und die dafür gesorgt habe, dass sie professionelle Hilfe in Anspruch nahm. In ihrer Partnerschaft fühlt sie sich unverstanden, allerdings kann sie auf Freunde zurückgreifen, deren Kontakt sie zum Zeitpunkt des Interviews wieder verstärkt sucht. Sie reflektiert selbstkritisch ihre Rückzugstendenzen und bringt dabei ein hohes Maß an Introspektionsfähigkeit zum Ausdruck. Swantje kann auf eine Familie zurückgreifen, die sich mit ihr über die Schwangerschaft freut, und auf eine Mutter, die während der Zeit der größten Krise zur Unterstützung kommt. Ihre Bedürfnisse kann sie gut mitteilen, ihr Umfeld beschreibt sie jedoch als rücksichtslos. Die Isolation ist sicherlich eines ihrer größten Probleme.
Der Vergleich beider Gruppen unterstreicht noch einmal die Bedeutung einer emotional unterstützenden Partnerschaft, eines intakten Selbstwertgefühls und Selbstvertrauens, sowie einer internen Kontrollüberzeugung und "problem-fokussierter Copingstrategien".
In Anbetracht der unterstützenden Mütter (im Falle Ingas auch des Partners) der postpartal depressiven Frauen kann nicht pauschal von einer geringeren sozialen Unterstützung gesprochen werden, wobei allerdings Swantje unter einem Mangel an Freunden und Bekannten am aktuellen Wohnort leidet.
Ideen zur Unterstützung von Frauen mit postpartaler Depression (Tabelle 9 [nur thematische Gruppe])
Diese Ideen bringen noch einmal wichtige Aspekte der Erkrankung aus der Sicht der Betroffenen zu Ausdruck. So betont Karin die Notwendigkeit, dass Hebammen und Ärzte die Kräfte der Mütter realistisch einschätzen und z.B. nicht zum Stillen drängen. Depressiven Frauen sollte weiterhin die Angst vor ihren negativen Gedanken dem Kind gegenüber genommen werden, die als Teil der Krankheit verstanden werden sollten. Die Unterstützung durch eine Familienhelferin schildert sie als große Hilfe. Die Familie sollte mehr in die Behandlung einbezogen werden. Zum Thema Geburt äußert sie die Vorstellung, dass eine Beleghebamme, die sie vorher kennen lernen kann, wichtig wäre. Ambulant würde sie nicht wieder entbinden wollen, da sie das als Überforderung erfahren habe, es wäre wichtig für sie, rund um die Uhr jemanden um Rat fragen zu können. Inga sieht die Gründung von Selbsthilfegruppen als wichtigen Beitrag zur Unterstützung an. Auch eine Haushaltshilfe wäre gut für sie gewesen, sie habe es als belastend empfunden, ihre Mutter so stark in Anspruch nehmen zu müssen. Dabei ist der Wunsch, sich von ihrer Mutter zu distanzieren, sicher von Bedeutung. Eine Unterstützungsmöglichkeit für die Partner sieht sie ebenfalls als wichtig an. Im Rahmen der Geburtvorbereitungskurse sollten Informationen über postpartale Depressionen vermittelt werden. Für sie selbst sei die Beschäftigung mit der Erkrankung in der Psychotherapie sehr wichtig gewesen. Swantje stellt Aufklärungsarbeit und ein größeres Verständnis für von PPD betroffene Frauen in den Vordergrund, sie betont, dass ja überhaupt gar kein Verständnis da sei. Hebammen und Ärzte sollten besser geschult werden. Es sollten keine Schuldgefühle bei depressiven Müttern ausgelöst werden. Sie nennt eine Vielzahl an wünschenswerten, praktischen Unterstützungsmöglichkeiten: Bücher, Gruppen, Einrichtungen / Räumlichkeiten, damit sich betroffene Frauen treffen können, Fahrgemeinschaften, um dorthin zu kommen, Erholungseinrichtungen, die speziell für Frauen mit postpartaler Depression konzipiert werden. Darüber hinaus seien Reportagen, am besten auch ein Kinofilm über das Thema notwendig. Hier zeigt sich ein großer Wunsch, versorgt zu werden und keine Eigeninitiative ergreifen zu müssen, sogar die Fahrt zu einem Treffen sollte ihr möglichst abgenommen werden. Eine Tendenz, von sich selbst weg auf "die anderen", denen es generell an Verständnis mangele (was eine recht dichotomisierende Sichtweise verrät), zu verweisen, wird in ihren Wünschen deutlich.
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