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Postpartale Depressionen

Komparation

Auf dem Hintergrund der Einzelfalldarstellungen1) komme ich nun zum zweiten Teil der Ergebnisse, dem Vergleich innerhalb und zwischen den Gruppen der postpartal depressiven und nicht depressiven Frauen. Dieser Vergleich erfolgt anhand verschiedener Kategorien. Jüttemann (1981) schlägt im Rahmen der Komparativen Kasuistik "die Ableitung vorläufiger Auswertungskategorien für die qualitative Datenaufbereitung einschließlich vorläufiger 'Operationalisierungskriterien' für die Zuordnung zu den Kategorien" (S.36) aufgrund einer Zusammenstellung der Hypothesen und der Relevanzbereiche vor. Die vorläufigen Kategorien werden im Rahmen der Datenauswertung überarbeitet, woraus eine endgültige Kategorienliste hervorgeht.

Diese Herangehensweise hat den Vorteil, dass sowohl bekannte bzw. angenommene Relevanzbereiche, im Fall der vorliegenden Untersuchung etwa die Partnerschaft und die Beziehung zur Mutter, als auch bisher unberücksichtigte, aus dem Datenmaterial abgeleitete Aspekte in die vergleichende Betrachtung eingehen.

Die meiner Arbeit zugrunde liegenden Vorannahmen, die sowohl in die Gestaltung des Interviewleitfadens als auch in den Prozess der Kategoriengewinnung Eingang gefunden haben, wurden im Methodenkapitel bereits dargestellt. Im Hinblick auf das interaktive Entwicklungsmodell psychopathologischer Phänomene nach Resch (1996)2) erschien es mir erstrebenswert, verschiedene Aspekte des Modells bei der Erstellung meiner Kategorienliste zu berücksichtigen und nicht bei einem relevanten Bereich, etwa bei der Betrachtung der Reaktions- und Handlungsbereitschaft, stehen zu bleiben. Das umfangreiche, aus den Transkripten, den Dokumentationsbögen und den Interaktionsbeschreibungen bestehende Datenmaterial erlaubt Einblicke in folgende, in Reschs (1996) Modell berücksichtigte Bereiche:

genetische Disposition (im Dokumentationsbogen erfragt), indirekt: biologische Einflüsse (etwa, wenn vom Abstillen berichtet wurde), psychosoziale Einflüsse (Risiken, Traumata), Umweltfaktoren (life events, aktuelle Traumata), Entwicklungsaufgaben, Persönlichkeitsentwicklung (Selbst, Temperament, Reaktions- [Handlungs-] bereitschaft) und psychopathologische Phänomene.

Erste Hypothesen hinsichtlich Vulnerabilität und Disposition der Befragten bezüglich depressiver Störungsbilder erscheinen ebenfalls möglich. Somit erweist sich das qualitativ gewonnene, komplexe Datenmaterial als ausgesprochen ergiebig angesichts der entwicklungspsychopathologischen Fragestellung dieser Arbeit, die – über die Erforschung des Erlebens der Mutterschaft hinaus – einen Einblick in die Entstehungszusammenhänge postpartaler Depressionen ermöglichen will. In Anbetracht des Rahmens einer Diplomarbeit konnten nicht alle oben genannten Bereiche gleichmäßig intensiv betrachtet werden, noch erscheint es möglich, die umfangreichen Interviews diesbezüglich auch nur annähernd erschöpfend zu bearbeiten. Dennoch erfolgte die Kategoriengewinnung unter dem Gesichtspunkt, viele verschiedene psychopathologisch relevante Aspekte betrachten zu können. Dadurch sind diese Kategorien keineswegs homogen, was ja eine gewisse Einschränkung mit sich gebracht hätte und zudem von Jüttemann (1981) nicht gefordert wird. So fällt die Kategorie Metaphern für die eigene Befindlichkeit (Tabelle 3a) etwas aus den anderen Kategorien heraus; hier wird sozusagen eine "Nahaufnahme" des persönlichen Erlebens versucht. Der Impuls zu dieser Kategorie geht sowohl von einem Artikel von McMullen (1999) "Metaphors in the Talk of 'Depressed' Women in Psychotherapy" als auch von der Datenbearbeitung aus, innerhalb deren die Metaphern von der "sicheren Höhle" (Interview mit Anna, Kontrollgruppe) im Vergleich zur "Grabhöhle" (Interview mit Swantje, thematische Gruppe) mein besonderes Interesse an einer näheren Betrachtung der in den Metaphern verdeutlichten Befindlichkeit der Interviewpartnerinnen weckten. Diese Betrachtung beginnt mit Tabelle 3b: Deutungsmöglichkeiten für die Metaphern und setzt sich im Vergleich innerhalb und zwischen den Gruppen fort.

Die übrigen Kategorien lassen sich bestimmten Bereichen zuordnen, anhand derer die Tabellen zusammengestellt wurden:

Tab.1: Vorgeschichte, Tab.2: Zur Persönlichkeit, Tab.4: Verlauf / Situative Variablen, Tab.5a/5b: Beziehungen, Tab.6: Kognitive Variablen, Tab.7: Affektive Variablen, Tab.8: Zukunftswünsche und Ressourcen und Tab.9: Ideen zur Unterstützung von Frauen, die an postpartaler Depression leiden (nur thematische Gruppe).

Auf der theoretischen Grundlage der im Methodenteil formulierten Vorannahmen und bezugnehmend auf die Stichwortlisten und Paraphrasierungen zu den einzelnen Interviews erfolgte die Gewinnung der den oben genannten Tabellen zugeordneten Kategorien.

Die nun folgenden Komparationstabellen beinhalten wörtliche Zitate der Interviewpartnerinnen (in Anführungszeichen und kursiv); in der Diplomarbeit waren diese mit einer Zeilenangabe versehen, um das Auffinden der Zitate in den Interviewtranskripten für meinen betreuenden Professor zu erleichtern. Da die Transkripte jedoch nicht öffentlich zugänglich sind, werden in der nun folgenden online Version des Komparationsteils meiner Arbeit die Zeilenangaben weggelassen. Es sei auch an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen, dass im Dienste der Anonymisierung einige, für die Interpretation irrelevante Daten weggelassen oder abgeändert wurden.

Komparationstabellen für die thematische Gruppe

Komparationstabellen für die Kontrollgruppe

Intra- und Intergruppenvergleiche anhand der Komparationskategorien

Zusammenfassung der Ergebnisse

Anmerkungen

1) In meiner Diplomarbeit wurden die Interviews von jeweils drei depressiven und nichtdepressiven Frauen einzelfallanalytisch ausgewertet und miteinander verglichen; davon wurden nur die Fallberichte der depressiv erkrankten Frauen in mein Buch "Nehmt es weg von mir. Depressionen nach der Geburt eines Kindes", Vandenhoeck & Ruprecht, 2003 übernommen. <zurück>

2) Vgl. Abbildung im Buch auf Seite 69. <zurück>

 

© 2003 http://www.qualitative-forschung.de/publikationen/postpartale-depressionen/, Status: 28. August 2003