|
|
Postpartale Depressionen
Komparationstabellen für die thematische Gruppe
In den folgenden Tabellen sind die Vergleiche anhand der nach Bereichen geordneten Kategorien (siehe auch Komparationsteil) für die thematische Gruppe dargestellt. Bei kursiv gesetzten und in Anführungszeichen stehenden Aussagen handelt es sich um Zitate der Interviewpartnerinnen.
Tabelle 1: Vorgeschichte
Kategorie |
Karin |
Inga |
Swantje |
Alter |
25 |
38 |
36 |
Beruflicher Werdegang |
Abitur, Studentin (Diplomarbeit) |
Abitur, seit '83 MTA |
Abitur, ein Studium abgeschlossen, drei Jahre gearbeitet, ein zweites Studium abgebrochen, Zusatzqualifikation zum ersten Beruf, dann: Wunsch, Hausfrau und Mutter zu sein. |
Familienstand |
ledig |
verheiratet |
verheiratet |
Dauer der Partnerschaft (zum Zeitpunkt des Interviews) |
4 Jahren und drei Monate |
14 Jahre |
3 Jahre |
Alter des Kindes |
12 Monate |
17 Monate |
4 Monate |
Herkunftsfamilie |
bei beiden Eltern aufgewachsen, eine jüngere Schwester |
bei der Mutter und ihrem Adoptivvater aufgewachsen (2.Mann der Mutter); keine Geschwister |
bei beiden Eltern aufgewachsen, keine Geschwister |
Biographische Belastungsfaktoren |
Mutter depressiv seit circa Karins 10./12. Lj. |
Scheidung der Eltern, als sie 1 ½ Jahre alt war, Trennung vom Vater, seitdem nie wieder gesehen (er lebt im Ausland) |
wurde während der ersten drei Lebensjahre von mehreren Personen fremdbetreut |
a) eher bearbeitet/ b) eher unbearbeitet |
b) |
b) |
b) |
Eigenanamnese |
keine größeren Erkrankungen |
keine größeren Erkrankungen |
ein Abort (1998) |
Familienanamnese |
Depression der Mutter |
keine größeren Erkrankungen |
Vater leidet seit dem Bestehen einer schweren familiären Problematik unter Depressionen (während Swantjes Schwangerschaft) |
Tabelle 2: Zur Persönlichkeit
Kategorien |
Karin |
Inga |
Swantje |
Selbstbild & Selbstbeschreibung |
hohe Introspektionsfähigkeit
empfindsam
eher introvertiert
grüblerisch
neigt dazu, sich Sorgen zu machen, schläft dann schlecht
|
|
freundlich und offen
nicht spontan
großes Sicherheits- und Kontrollbedürfnis: liebt feste Regeln,
hasst "Chaosgefühl" (Hinweis auf zwanghafte Züge)
Tendenz, sich in der Opferrolle zu sehen
|
Selbstwertgefühl |
|
|
|
Identität als Frau |
positiv besetzt: es war immer schon wichtig für sie, selbst Kinder bekommen zu können
Unzufriedenheit mit sich selbst als Mutter:
bzgl. Der Mutterrolle sehr verletzlich
|
Mutter als Vorbild der berufstätigen Frau; "selektive" Identifikation
wagt sich erst sehr spät an die Mutterschaft heran, Grund: fand es nicht so gut, dass eigene Eltern so jung waren
bzgl. Der Mutterrolle sehr verletzlich
|
|
Umgang mit sich selbst |
deutlich Neigung zur Selbstüberforderung
wehrt eigene Bedürfnisse eher ab
nimmt sich selbst nicht sehr wichtig (in Änderung begriffen)
|
|
|
Umgang mit Beziehungen |
Rückzugstendenzen
Angst vor Zurückweisung
will niemandem zur Last fallen: bezeichnet sich als "Mensch ...,der so richtig spät irgendwas sagt, wenn was ist"
in Änderung begriffen: nimmt Kontakt zu wichtigen Freund/inn/en wieder auf, sucht wieder Nähe und intensive Gespräche
Fähigkeit zum Perspektivenwechsel gesteht z.B. ihrem Partner zu, dass er ihr, bedingt durch ihre Stimmung, trotz großer Bemühungen nichts recht machen kann)
|
texmacht Ängste mit sich selbst aus, möchte Partner / Umfeld "schützen"
will niemandem zur Last fallen; überangepasst
möchte niemanden verletzen
Ängste, was andere über sie denken könnten
in Änderung begriffen: arbeitet z.B. daran, sich von ihrer Mutter besser abgrenzen zu können, sucht offenen Austausch mit anderen Müttern
Fähigkeit zum Perspektivenwechsel (etwa wenn sie einräumt, dass die Partner depressiver Mütter besonders herausgefordert sind, "die Starken" zu sein)
|
hohe Erwartungen: Wunsch, dass andere von selbst merken, wenn es ihr schlecht geht und dann auf sie zugehen
reagiert verbittert auf Enttäuschungen
abwertende Haltung: bezeichnet Ratschläge von Freunden / Bekannten als "Geschwätz"
z.Zt. Rückzug, da Ehrlichkeit nicht gut "ankomme"
Tendenz, die Schuld für Beziehungsprobleme bei den jeweils anderen zu suchen.
|
Tabelle 3a: Metaphern für die eigene Befindlichkeit
Kategorie |
Karin |
Inga |
Swantje |
zeitunabhängig |
|
|
hasst "dieses Chaosgefühl"
|
präpartal |
"sprachlos" bei Feststellung der Schwangerschaft
|
"Strahlen" nach Feststellung der Schwangerschaft
Abwarten des Amniozentesebefunds als "Riesenberg" der vor ihr lagt
Geburt: "Riesenhindernis"
Wie eine "lahme Watschelente"
PDA als "Rettungsanker"
|
körperlich "riesig aufgeblasen"
|
sub partu |
|
|
|
postpartal |
"körperlich wie'n Müllhaufen" gefühlt
in der tiefsten Krise "lief alles wie'n Film vor mir ab"
"nur 'ne schwarze Wand vor mir geseh'n"
durch die schlimmste Zeit "durchgestolpert"
"es kamen immer wieder die Einbrüche"
kann weder "durchatmen noch loslassen"
"es is' einfach noch so'n Kämpfen" "durch den Tag kämpfen"
möchte nicht noch einmal "so tief stürzen"
"man is' so ständig alarmbereit"
"ich schaff's nie mehr, abzuschalten"
hat sich für ihre Gedanken "fast außerirdisch gefühlt"
|
Durch Gesundheit des Babys "richtige Last" von ihr genommen
stand nach der Geburt "total unter Strom"
Gefühl, die "letzte Instanz" zu sein, wenn es um das Kind geht
sich durch das Stillen "gefesselt" fühlen
sich von der Mutter "freistrampeln" bzw. "loslösen"
durch Gespräche löste sich der "Knoten"
Erwartungen an sich selbst als Mutter: "ein Berg"
|
Gefühl wie in einer "Grabhöhle" (2.Tag post partum)
Die Klinik hat ihr "gestunken"
zu Beginn der Depression: "in einem so tiefen Loch" , jetzt nicht mehr im "tiefen Loch"
fühlt sich nicht mehr "im Chaos versunken"
wünscht sich "'raus aus dem Chaos, auch aus dem gedanklichen"
ist z.Zt. nicht mehr "total am Boden zerstört"
Unterschied zw. Der Anfangszeit (der Depression) und jetzt: "wie Himmel und Hölle"
Foto von ihr während der ersten Zeit der Erkrankung: "Sieht aus, als wär' einer gestorben!"
|
Tabelle 3b: Deutungsmöglichkeiten für die Metaphern (Tabelle 3a)
Kategorie |
Karin |
Inga |
Swantje |
zeitunabhängig |
|
|
großes Sicherheitsbedürfnis, braucht Ordnung/Struktur
|
praepartal |
Schock/ Schreck
|
große Freude und Begeisterung
Angst vor einem negativen Befund als Bedrohung/ Last
Angst und Überforderung: sich angesichts der Geburt klein und schwach fühlen, wenig Selbstvertrauen
Bewegungseinschränkung, Verlust an Attraktivität
externe Kontrollüberzeugung, Gefühl der Verlorenheit
|
unangenehmes Körpergefühl, Verlust an Attraktivität
|
sub partu |
|
|
|
postpartal |
Selbstabwertung, Leblosigkeit, Verlust der Schönheit? Enttäuschung über ihren Körper, der sie bei der Geburt "im Stich ließ"?
Kontrollverlust, Realität verschwimmt, Haltlosigkeit
es geht nicht mehr weiter: Todesangst
Kontrollverlust und Haltlosigkeit
Gefühle der Verlorenheit/ Hilflosigkeit/ Bedrohung
übergroße Anspannung und Angst
große Anstrengung/ Überforderung, ohne Freude, innere Unruhe, keine Sicherheit
Depression wurde als Bedrohung erlebt
innere Unruhe; keine Gelassenheit, Angst
wie 9.
massive Gefühle der Selbstentfremdung und der Scham
|
große Angst um die Gesundheit des Babys
Übererregung
fühlt sich mit der Verantwortung fürs Kind allein gelassen/ überfordert, juristischer Terminus: Hinweis auf mächtiges Über-Ich?
Abhängigkeit vom Kind als Last
Abhängigkeit von der Mutter als Last
Gespräche schenken Klarheit & Entspannung
überfordert sich selbst
|
Gefühle der Trauer, des Verlusts, der Leblosigkeit, Erstarrung
Klinik löste Widerwillen aus, Antipathie, Ärger
Gefühl, gefangen und unerreichbar/ einsam zu sein, nichts/ keinen Ausweg sehen können
fühlt sich sicherer, mehr innere Ruhe
Fehlen von Gelassenheit, Gedanken erscheinen wirr und bedrängend, Überforderung
Befindlichkeit gebessert: Zuwachs an Kraft/Selbstvertrauen?
aktuelle Stimmungslage wird in Kontrast zur ersten Zeit der Depression gesetzt, Neigung zur Dichotomisierung?
Depression als Erfahrung tiefer Trauer, Tod, Verlust
|
Tabelle 4a: Verlauf / Situative Variablen
Kategorien |
Karin |
Inga |
Swantje |
Lebenszufriedenheit vor der Schwangerschaft |
Leben früher: aktiv, abwechslungsreich,
ausgefüllt
Rückzug von den wichtigsten Freunden, Angst, verletzt zu werden.
|
großer beruflicher Stress
Gleichförmigkeit
schildert damaliges Leben als "sinnlos"
so hätte es nicht weitergehen können
|
mangelndes Konzept, insbesondere in beruflicher Hinsicht
fragt sich, ob ihr Leben "vorher schon so sinnentleert" gewesen sei
|
Schwangerschaft |
Ungeplant |
geplant |
geplant |
Schwangerschaftserleben |
Ambivalenz, dann freudige Akzeptanz
finanzielle Sorgen und "so was wie Existenzangst"
Unterstützung der Eltern
Vorfreude war eine "hektische, vorübergehende Freude"
Vorbereitungszeit hat gefehlt
hat ihre Reserven nicht geschont
mehrfache Erkrankungen, Prüfungen, Diplomarbeit vorbereitet
Streit mit "Schwiegereltern"
Hoffnung, dass nach der Geburt alles besser wird; unrealistische Vorstellungen
Durchhalteparolen
|
zwiespältige Gefühle wegen der überschwänglichen Freude ihrer Mutter: Gefühl, deren Erwartungen zu entsprechen
distanziert sich von den Warnungen Bekannter bezüglich der Veränderungen / der anstrengenden Seiten des Lebens mit einem Kind
Freude über Schönheit
Ängste bezüglich der Gesundheit ihres Kindes und der Geburt:
"dann gibt's kein Zurück mehr": Vermeidung einer Auseinandersetzung mit den Ängsten, verschweigt sie ihrem Partner
Angst vor den Schmerzen bei der Geburt
Angst zu verbluten
|
zunächst keine überschwängliche Freude: weitergelebt wie bisher
bis zum 5. Monat große Ängste vor Abort
Trauer um ihr erstes Kind
gönnt sich viel (essen / schlafen)
kaum Vorstellungen vom Kind
Vorstellung, nach der Geburt schön zu sein und ihr Kind überall zu zeigen
sieht sich rückblickend als "blauäugig" an
körperliche Beschwerden
Vermeidungswünsche hinsichtlich der Geburt
Symbiosewünsche: wollte ihr Kind bei sich behalten
|
Geburtserlebnis |
suspekte kindliche Herztöne
Hebamme verließ oft den Kreißsaal:
"panische Angst", Verlorenheitsgefühle
unerfüllte Sehnsucht nach mütterlicher Zuwendung
Todesangst
Gefühl, "total hilflos und verloren" zu sein
nicht loslassen können
Spontangeburt (Dauer > 12 Std.)
Partner nicht hilfreich
kurz nach der Geburt überwältigendes Glücksgefühl
|
große Nervosität
nach 8 Stunden: Gefühl, es nicht mehr auszuhalten:
PDA: Enttäuschung
eine Hebamme lieblos
große Erschöpfung
Geburt des Kindes durch Saugglocke nach circa 12 Stunden
Erleichterung über Gesundheit des Kindes
Erstkontakt genossen
Begleitung des Partners sehr positiv
Geburt rückblickend: "furchtbar"
|
suspekte kindliche Herztöne
Wehen: Tortur
PDA: Enttäuschung
Erschöpfung
konnte nicht pressen
Geburt durch Saugglocke
Kind gleich bekommen: kein Glücksgefühl
hoher Blutverlust: Ausschabung in Vollnarkose
zufrieden mit den Ärzten
Unzufriedenheit mit der Hebamme
Partner: unklar, ob hilfreich oder nicht (kein Kommentar)
rückblickend: "schlimme Geburt"
|
Tabelle 4b: Verlauf / Situative Variablen
|
Kategorien
|
Karin
|
Inga
|
Swantje
|
|
Beginn der
Depression
|
Circa
am 4. /5. Tag, post partum
|
knapp
drei Monate, post partum, vorher intensiver "Babyblues"
|
3./ 4. Woche, post partum, vorher intensiver "Babyblues"
|
|
Behandlung
|
·
mehrere Monate lang stationäre
Behandlung mit Kind
·
Psychopharmako- therapie (problematisch)
·
in der Klinik während der letzten zwei/ drei Monate 1mal wöchentlich
Verhaltenstherapie
·
z.Zt. zweimal pro Woche
·
Familienhelferin
|
·
Psychopharmakotherapie
·
seit fünf Monaten Verhaltenstherapie
|
·
zu Beginn einmal wöchentlich Gespräche
mit ihrer Psychiaterin, lockert zur Zeit den Kontakt
|
|
zentrale Aspekte
beim Erleben der Depression
|
·
Ängste: Todesangst;
Angst, wahnsinnig zu werden
·
Angst und Agitiertheit: mit
dem Kopf gegen die Wand rennen
·
Kontrollverlust
·
Selbstmordgedanken
·
Gefühl der Hilflosigkeit, Gefühl nicht dazuzugehören
·
teilt sich sehr spät mit; Mutter leitet Behandlung in die Wege
·
Wunsch, ihr Kind
abgeben zu können: Gefühl, ihm nichts Gutes tun zu können
·
Negative Gefühle
dem Kind gegenüber: gab ihm zeitweilig die Schuld an der Depression
·
Partner wird als wenig hilfreich erlebt
·
Sucht z.Zt. nach einer Psychotherapeutin
|
·
schwere
Stillstörung (Mastitis)
·
abruptes
medikamentöses Abstillen
·
Thema Kontrolle: bezüglich
der Trinkmenge ihres Kindes, der Alltagsgestaltung: Angst, nicht alles zu schaffen
·
innere Unruhe
·
Denkstörungen
·
Schuldgefühle,
Angst,
ihr Kind könne etwas von der Erkrankung mitbekommen haben
·
Last der
Verantwortung
für ihr Kind drückt schwer: fühlt sich allein verantwortlich
·
schildert Partner als hilfreich und verständnisvoll
·
freut sich über ihre Erfolge im Rahmen der Psychotherapie: spürt Entlastung
|
·
erlebt großen Mangel an
partnerschaftlicher Unterstützung:
·
schwerste Zeit während einer Dienstreise des Partners (ca. 3. Woche
post partum): Verlustängste
(auf Partner und Kind bezogen)
·
leidet unter Verständnislosigkeit
des Umfeldes
·
Einsamkeit /
soziale Isolation
·
leidet darunter, nichts planen
zu können: Thema Kontrolle
·
Selbstmordgedanken (während der
akuten Phase)
·
Thema Kontrolle
·
Erschrecken über
die ständige Anwesenheit ihres Babys; Gefühl der Abhängigkeit, des Gefangenseins
|
|
aktuelle
Lebenszufriedenheit
|
"Es is' noch überhaupt nichts
gut..."
|
So wie es jetzt
ist, könnte es weitergehen.
|
"Ich wär' gerne glücklich!"
|
Tabelle 5a: Beziehungen
Kategorien
|
Karin
|
Inga
|
Swantje
|
|
Beziehung zum Kind
|
·
fehlende Gefühle als
Hauptproblem
·
Hinweise auf
"orale Konkurrenz": "wenn er
sich ums Baby kümmert, war ich eifersüchtig"
·
gab zeitweise dem Kind Schuld für die Depression
·
Selbstvorwürfe
·
will Bedürfnisse
des Kindes intuitiv erfassen können
·
Freude am lebhaften
Wesen ihres Kindes: mütterlicher Stolz
|
·
Perfektionismus:
Angst, ihr
Kind könne hässlich werden
·
große Angst, ihr Kind würde
nicht gesund zur Welt kommen
·
große Angst vor der
Verantwortung: Wunsch, sie besser verteilen zu können
·
Angst, ihr Sohn
könne etwas von ihrer Depression mitbekommen
·
Freude über sein ausgeglichenes,
fröhliches Wesen und über seine Entwicklung
·
im ersten Jahr: Unsicherheit
bei der Deutung kindlicher Signale, ist froh dass ihr Kind sich jetzt
verständlich machen kann
|
·
deutlicher
Wunsch nach Selbstaufwertung durch ihr Kind: Wunsch, es nach
der Geburt schön anzuziehen und überall zu zeigen
·
Trennungsangst
·
distanzierte
Formulierungen
·
Abhängigkeit vom
Kind als Gefängnis
·
Aggressionen: "wenn er nicht da wäre ... würde ich
anders leben"
·
ausgeprägte Konkurrenz zwischen
mütterlichen & kindlichen Bedürfnissen
·
Ambivalenz
·
Angst vor der
Verantwortung
·
mütterlicher
Stolz
·
Probleme bei der
Deutung kindlicher Signale
|
|
Interaktion
|
feinfühlig
bei ausgeprägt dysphorischer Stimmung
|
feinfühlig
|
problematisch,
wenig feinfühlig (wie mit einer Puppe)
|
|
Partnerschaft
|
·
Partner ist bei der Geburt dabei und lässt sich für zwei Wochen mit auf die Wochenstation aufnehmen
·
durch Depression sind große Wesensunterschiede
deutlich geworden: Konfliktpotential
·
K. eher
"grüblerisch", M. eher unbekümmert
·
Hauptproblem:
kann mit ihm nicht über ihre Gefühle reden
·
konkrete
Trennungsgedanken wegen der Wesensunterschiede/ Kommunikationsprobleme obwohl sich das
Paar noch liebt
|
·
Partner gut
aufeinander eingespielt (seit 16 Jahren zusammen)
·
teilt Ängste
nicht mit
(Schwangerschaft); möchte Partner "schützen"
·
gemeinsames
Geburtserlebnis sehr positiv bewertet
·
Partner verständnisvoll
bezüglich der Depression; Inga
reagiert erstaunt (!)
·
Beziehung sehr
positiv bewertet, würde alles dafür tun, damit sie und ihr Mann zusammenbleiben
|
·
Partnerschaft wird als Hauptproblem erlebt: Mann wird als verständnislos / nicht unterstützend geschildert
·
Mann selten zu Hause, arbeitet viel
·
häufige Streitereien, z.B.
wegen einer Dienstreise ca. drei Wochen post partum
·
Verlustängste
·
Ärztin schlägt Paartherapie vor:
beide "zu faul" dazu
·
Eifersucht auf Karriere des Partners
·
weist ihrem
Partner einseitig Schuld an den Eheproblemen zu
|
Tabelle 5b: Beziehungen
|
Kategorie
|
Karin
|
Inga
|
Swantje
|
|
Beziehung zur Mutter
|
·
als intensiv bezeichnet
·
Vertiefung der Beziehung durch die gemeinsame Erfahrung der Depression
·
erzählt nach und nach, unter
der mütterlichen Depression gelitten zu haben (Beginn in K's 10./12. LJ): Angst,
etwas Falsches zu sagen, Schuldgefühle, Hilflosigkeit
·
Hypothese: Rollentausch,
um ihre Mutter zu schützen
·
hat sich zumindest zurückgenommen und eine Zeit lang den Kontakt eingeschränkt
·
äußert Mühe mit der Depression ihrer Mutter sehr verhalten: Wunsch, sie zu
schonen ?!
·
Hinweise auf
unbearbeitete Konflikte
·
unvollständiger
Ablösungsprozess: Mutter wichtiger als der Partner
·
aktuell: bespricht Probleme mit ihrer Mutter
|
·
noch nicht "abgenabelt"
·
ambivalente
Gefühle bezüglich
der großmütterlichen Vorfreude, Eindruck, ihrer Mutter noch einen wichtigen
Wunsch zu erfüllen
·
als Teenager: unerfüllte
Ablösungswünsche, fand es nicht
schön, so junge Eltern zu haben, begründet damit ihre eigene späte Mutterschaft
·
berichtet von Eifersucht der
Mutter auf ihre Beziehungen zu Freundinnen
·
Mutter als
Vorbild
·
(Berufstätigkeit)
·
Mutter als Vorbild für:"ieder
findende Stimmung"
·
äußert jedoch im Verlauf Kritik an besitzergreifenden Zügen der Mutter: sie wünscht mehr Distanz, hat jedoch Mühe, Grenzen zu setzen, da sie nicht
verletzend sein möchte
·
hat das unangenehme Gefühl, Lebensinhalt der Mutter zu sein
·
Konflikthaftigkeit & Ambivalenz
|
·
durch die Mutterschaft wurde ihre
eigene Erfahrung, während der ersten
drei Lebensjahre fremdbetreut zu werden aktiviert:
diese Erfahrung gemacht zu haben löst Wut in ihr aus; keine Bearbeitung
·
Ambivalenz, inkohärentes Bild der Beziehung: bezeichnet die
Beziehung einerseits als tief und
innig, hat andererseits große
Bedenken, ihre Mutter um Unterstützung zu bitten, als es ihr schlecht geht: sie bespricht "psychologische
Sachen" sowieso nicht mit ihr
·
noch nie körperliche
Zärtlichkeiten mit den Eltern ausgetauscht
·
die Freude ihrer Mutter über das Enkelkind kommentiert sie
distanziert: "...des find' ich schön für sie..."
|
Tabelle 6: Kognitive Variablen
|
Kategorien
|
Karin
|
Inga
|
Swantje
|
|
Kontrollüberzeugung
(Locus of control)
|
eher
extern: Anzeichen auf Änderung
|
eher
extern: spricht häufig vom
Schicksal / Fügungen etc.
|
eindeutig extern
|
|
Attributionsstil (als
"Misserfolg" sind im Sinne des Ansatzes negativ/ als "Erfolg"
positiv bewertete Ereignisse anzusehen)
|
·
Misserfolge eher
intern: gibt
sich selbst mit die Schuld daran, dass die Hebamme den Kreißsaal oft
verlassen hat: glaubt, ihr Bedürfnis nach Nähe nicht deutlich genug zum
Ausdruck gebracht zu haben
|
·
Misserfolge eher
intern: wenn
ihr Kind schüchtern wäre, würde sie den "Fehler" bei sich selbst suchen
·
z.T. auch Erfolge
intern: das fröhliche Wesen ihres Kindes sieht sie mit als ihr Verdienst
an
|
·
nicht ganz
eindeutig:
bezüglich der Depression deutliche Schuldzuweisung an den Partner/ das als
verständnislos erlebte Umfeld (Freunde, Bekannte, Familie, Ärzte etc.), was
für eine externe Attribution
von Misserfolg spricht
|
|
Handlungsbereitschaft
/ Bewältigungsstrategien
|
in Änderung
begriffen
|
|
|
|
vor der
Geburt/während der Schwangerschaft
|
überwiegend "emotional-fokussierte
Copingstrategien", z.B. Vermeidung und
Wunschdenken; Durchhalteparolen: "Ich weiß nicht, ich hab' das
wahrscheinlich so gesehen, so wenn das Kind dann endlich da ist, wird alles
besser, also an diesem, so jetzt muss
ich da noch durch, und dann wird alles besser"
|
sowohl
"emotional fokussierte" als auch "problem-fokussierte"
Copingstrategien: Auseinandersetzung mit Ängsten
zum großen Teil vermieden (Verschweigen der Ängste), bis
auf Ausschau nach Müttergruppen (um Einsamkeit nach der Geburt
vorzubeugen) und einem Geburtsvorbereitungskurs
(um der Angst vor der Geburt
zu begegnen)
|
eindeutig "emotional-fokussierte Copingstrategien", wie z.B. Wunschdenken, Vermeidung (wollte sich
die Geburt z.B. nicht vorstellen, innerhalb des Geburtsvorbereitungskurses unangenehme Informationen nicht für
bare Münze genommen, abgeblockt)
|
|
aktuell/nach der
Geburt/
|
·
aktuell: Hinwendung zu "problem-fokussierten Copingstrategien":
stellt sich ihrer Situation: nimmt wieder Kontakt zu ihren wichtigsten
Freund/inn/en auf, Suche nach einer Psychotherapeutin
|
·
aktuell: "problem-fokussierte Copingstrategien":
sucht nach Klarheit über den Ernst
ihrer Erkrankung sofort Hilfe, kümmert sich um Therapie, sucht neue
Kontakte
|
·
nach der Geburt: abhängige
Haltung; glaubt, an ihrer Situation nichts ändern zu können, vermeidet Kontakt trotz großer Isolation
·
vermeidet Gespräche mit ihrer Ärztin
·
Schuldzuweisung
an den Partner
·
ausgeprägtes
Wunschdenken:
"...ich wär'
gerne glücklich!"
·
Ideen zur Veränderung ihrer Situation folgt kein Handeln (Bsp. Paartherapie)
|
Tabelle 7: Affektive Variablen
|
Kategorien
|
Karin
|
Inga
|
Swantje
|
|
Ängste
|
|
|
|
|
präpartal
|
·
Angst vor der Geburt
|
·
Angst vor der Geburt: vor Schmerzen und Risiken (Tod)
·
Angst, da es kein "Zurück"
mehr gibt
·
Angst vor Unglück, nach
"zuviel" Glück
·
Angst um Gesundheit des Kindes
|
·
Angst vor einer Fehlgeburt
·
Angst vor der Geburt
(Schmerzen)
|
|
sub partu
|
·
Todesangst
·
Panik, wenn Hebamme
den Kreißsaal verlässt
|
·
Angst um Gesundheit des Kindes
|
—
|
|
post partum
|
·
Todesangst
·
Angst, verrückt zu werden,
Angst, "es hört nie auf" (schmerzhafter Milcheinschuss)
·
Angst, nicht schlafen zu können
·
Angst vor Kontrollverlust
|
·
Angst vor der Verantwortung für
ihr Kind (Metapher der "letzten Instanz), Angst, etwas falsch zu machen
·
Angst bzgl. Des Krankheitsverlaufs,
Angst, ihr Kind könne unter der
Depression leiden
·
Ängste, was andere
von ihr denken könnten
·
Angst um Gesundheit des Kindes
|
·
Verlustängste bzgl. Partner
und Kind
·
Angst, als Mutter etwas falsch
zu machen/ Angst vor der Verantwortung
·
Angst, ihr Kind könne unter
ihrer Depression leiden
|
|
Umgang/
Bewältigung
|
|
|
|
|
präpartal
|
·
gelesen, um die
Angst
fernzuhalten
·
Ängste
verharmlost
|
·
Verschweigen und Versuch, Ängste zu "verdrängen", Wunsch, ihren Partner davor zu schützen
·
Geburt im Krankenhaus
(alles da
für Notfälle)
·
Vorsatz: PDA
|
·
Familie erst
nach dem dritten Schwangerschaftsmonat informiert,
·
Geburt unbedingt
mit PDA im Krankenhaus
|
|
sub partu
|
Rückzug
|
|
|
|
post partum
|
·
hat sich ihrer Mutter
anvertraut; daraufhin: Behandlung der Depression
|
·
versucht, etwas von der Verantwortung fürs Kind abzugeben
·
setzt sich mit
der Depression auseinander, Arztbesuch und Psychotherapie
|
·
holt ihre Mutter
zu Hilfe
·
sucht
Psychiaterin auf
|
|
Umgang mit
Aggressionen
|
·
insgesamt
deutliche Aggressionshemmung:
·
keine Wut auf ihre Mutter, obwohl sie unter ihrer Depression gelitten
hat (Angst, etwas falsch zu machen, Schuldgefühle, Hilflosigkeit)
·
keine Wut auf die Hebamme, die sie häufig allein lässt
·
Scham/
Schuldgefühle,
das Baby für die Depression "verantwortlich zu machen": Ärger/
Aggressionen abgewehrt
|
·
Hinweise auf
Aggressionshemmung:
·
Ärger über ihre als aufdringlich beschriebene Mutter:
·
möchte sie jedoch nicht verletzen; Mühe, sich abzugrenzen
|
·
kann ihrem Ärger über ihren Partner gut Ausdruck verleihen: keine Aggressionshemmung; häufiger Streit
·
rückblickend Wut über
Fremdbetreuung während ihrer ersten drei Lebensjahre
·
Aggressionen
ihrem Kind gegenüber eher abgewehrt
|
Tabelle 8: Zukunftswünsche & Ressourcen
|
Kategorien
|
Karin
|
Inga
|
Swantje
|
|
Zukunftswünsche
|
·
Hauptwunsch:
wieder gesund werden,
·
möchte ihre Gefühle ieder finden; insbesondere die zu ihrer Tochter
·
möchte sich selbst "'n Stück weit ieder
finden"
·
möchte mit sich selbst
zufriedener sein, selbstsicherer werden
·
wünscht sich nach Abschluss ihres Studiums einen Arbeitsplatz zu finden
·
möchte das, was sie tut, wieder
genießen können
|
·
Hauptwunsch:
weiterhin gesund zu bleiben
·
ihr Kind so lange wie
möglich begleiten zu können
·
dass ihr Leben so weiterläuft,
wie es jetzt ist
·
einen Kindergartenplatz
·
wieder mehr arbeiten zu
gehen
·
dass ihr Sohn später ein zufriedenes Leben führen kann und glücklich ist
|
·
Lösung einer akuten Familienproblematik,
die nicht in die Arbeit eingehen durfte
·
gesicherte Zukunft des Kindes: "dass er 'n sorgenfreies Leben hat, dass er immer gesund
bleibt"
·
Verbesserung der Partnerschaft
·
"dass ich besser drauf komme"
·
Familienurlaub
·
"geordnete Verhältnisse"
·
vorerst kein weiterer Wohnortwechsel
|
|
Ressourcen
|
·
hohe Introspektionsfähigkeit
·
Offenheit, auch wenn es
um "negative" Gefühle ihrem Kind gegenüber geht , Fähigkeit zur Selbstkritik und zum Perspektivenwechsel
·
"Draht"
zu Kindern
·
Bereitschaft zur
Psychotherapie
·
Freundschaften,
die ihr wertvoll sind und die sie wieder intensiviert
·
intensive, wenn auch nicht ganz unproblematische Beziehung zur Mutter, der sie sich anvertraut
·
familiäre
Unterstützung:
Eltern reisen nach der Geburt an, um zu helfen
|
·
großes Verantwortungsbewusst-Sein
·
große
Bereitschaft, sich mit der Depression auseinander zusetzen (Psychotherapie)
·
positiv bewertete, unterstützende
Partnerschaft
·
Beruf als Stütze
für ihr Selbstbewusstsein
·
Fähigkeit zum
Perspektivenwechsel: räumt ein, dass insbesondere die Partner depressiver Mütter "immer die Starken" sein
müssen
·
Fähigkeit zur Selbstkritik
·
familiäre
Unterstützung: Partner und Mutter lassen sie während der ersten, akuten 2 Wochen
nicht allein
·
jedoch: Annahme der Hilfe mit Schuldgefühlen
verbunden
|
·
kann ihre Bedürfnisse gut
mitteilen
·
Familie, die sich sehr
über ihre Schwangerschaft mitfreut
·
Mutter und Schwiegermutter reisen zur Unterstützung an
|
Tabelle 9: Ideen zur Unterstützung von Frauen mit postpartaler Depression (nur thematische Gruppe)
|
Kategorie
|
Karin
|
Inga
|
Swantje
|
|
Ideen zur
Unterstützung von Frauen mit postpartaler
Depression
|
·
die Kräfte der Frau realistischer einschätzen: nicht zum Stillen drängen:
die Bedürfnisse der Mutter nicht über
denen des Kindes vergessen
·
Müttern Angst vor ihren negativen
Gedanken dem Kind gegenüber nehmen
·
Einzelfallhilfe bewilligen (wie
bei ihr)
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die Frauen ermutigen, ohne
schlechtes Gewissen Zeit für sich selbst zu nehmen
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im Krankenhaus: die Familie/das
Umfeld mit in die Behandlung einbeziehen und über Behandlungskonzept und
Verlauf informieren
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zum Thema Geburt: mit einer Beleghebamme
in die Klinik gehen: so kennt man die betreuende Hebamme bei der Geburt
und kann danach noch stationär versorgt werden
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Gründung von Selbsthilfegruppen
für Mütter mit postpartaler Depression
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Unterstützung durch eine Haushaltshilfe,
damit die Familie entlastet wird
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Unterstützung für die Männer
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Informationen über postpartale Depressionen
in Geburtsvorbereitungskursen
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für sie selbst wichtig:
Beschäftigung mit der Erkrankung (Psychotherapie)
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Aufklärungsarbeit
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Verständnis "für diese Frauen auch eröffnen"
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bei Betroffenen keine
Schuldgefühle auslösen
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Einrichtungen schaffen,
Hilfen, Gruppen, Bücher, Räumlichkeiten, um sich zu treffen, Fahrgemeinschaften
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die Krankenkassen informieren
"...dass das auch jetzt verstärkt
auf sie zukommen wird"
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Hebammen und
Ärzte besser schulen
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Reportagen ins Fernsehen,
einen Kinofilm darüber drehen
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Erholungseinrichtungen
speziell
für Frauen mit PPD
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