|
|
Postpartale Depressionen
Komparationstabellen für die Kontrollgruppe
In den folgenden Tabellen sind die Vergleiche anhand der nach Bereichen geordneten Kategorien (siehe auch Komparationsteil) für die Kontrollgruppe dargestellt. Bei kursiv gesetzten und in Anführungszeichen stehenden Aussagen handelt es sich um Zitate der Interviewpartnerinnen.
Tabelle 1: Vorgeschichte
|
Kategorien
|
Marie-Luise
|
Anna
|
Claudia
|
|
Alter
|
30
|
29
|
32
|
|
Beruflicher Werdegang
|
Altenpflege,
Krankenschwester, Abitur an der Abendschule, Medizinstudium, vor dem AIP,
schreibt an ihrer Doktorarbeit
|
Abitur,
Arzthelferin, seit 1996 Studentin
|
Abitur,
Studium, einige Semester im Ausland, seit 1994 berufstätig (Wirtschaftsprüfungsfirma)
|
|
Familienstand
|
verheiratet
|
ledig
|
verheiratet
(nach der Geburt ihrer Tochter)
|
|
Dauer der
Partnerschaft (zum Zeitpunkt des Interviews)
|
5
Jahre
|
5
Jahre
|
3
Jahre
|
|
Alter des Kindes
|
8
Monate
|
4
Monate
|
10
Monate
|
|
Herkunftsfamilie
|
bei
beiden Eltern aufgewachsen, ein jüngerer Bruder
|
zusammen
mit ihrem älteren Bruder bei ihrer Mutter (alleinerziehend)
aufgewachsen, kennt ihren Vater nicht
|
bei
beiden Eltern aufgewachsen, eine ältere Schwester
|
|
Biographische
Belastungsfaktoren
|
·
in der DDR wurde ihr der Besuch der erweiterten Oberschule wegen kirchlichen
Engagements verweigert
|
·
kennt ihren
Vater nicht
·
alleinerziehende, berufstätige Mutter als häufig überlastet geschildert
|
·
Krebserkrankung der Mutter 1995
·
Krebserkrankung des Vaters während ihrer Schwangerschaft
|
|
a) eher bearbeitet/
b) eher unbearbeitet
|
a)
|
a)
|
a)
|
|
Eigenanamnese
|
·
Verbrennung (3.-4.Grades) der rechten Brust als Kleinkind: Vernarbung
·
Gerinnungsstörung
|
·
mindestens ein Abort (keine genaueren Angaben)
|
·
keine größeren Erkrankungen
|
|
Familienanamnese
|
·
Vater: Gerinnungsstörung
|
·
Mutter sucht derzeit einen Therapieplatz wegen
einer Depression
|
·
Krebserkrankung der Mutter 1995
·
Krebserkrankung des Vaters während ihrer Schwangerschaft
|
Tabelle 2: Zur Persönlichkeit
|
Kategorien
|
Marie-Luise
|
Anna
|
Claudia
|
|
Selbstbild &
Selbstbeschreibung
|
·
als Kind "mehr ein Junge"
·
sehr ehrgeizig und leistungsorientiert
·
soziale Kontakte
wichtig
·
unternehmungslustig
·
schildert sich einerseits als
robust, andererseits auch als sehr einfühlsam
·
braucht eine
Weile, um sich "an neue Zustände
zu gewöhnen"
·
emphatisch: als Ärztin sehr
bewegt (Tränen) von Geburten, die sie miterlebt hat
|
·
bezeichnet sich als "spontane(r)(n) Gefühlsmensch(en)"
·
teilt Gefühle eher ungefiltert mit
·
soziale Kontakte
wichtig
·
extrovertiert
·
empfindsam, während der
Schwangerschaft: "super empfindlich und streitsüchtig"
·
selbstkritisch
·
ausgeprägter
Optimismus
|
·
als Kind "so'n halber Junge"
·
stellt sich selbst als unkompliziert
dar, erscheint wenig fordernd
·
in ihrer Familie früher
"Schwarzer Peter-Rolle", ihre Mutter zog die älter Schwester
vor
·
beschreibt sich als weniger
dominant als ihre Schwester
·
sensibel: braucht eine
Weile, um sich von Auseinandersetzungen in Beziehungen zu erholen
·
eher introvertiert
|
|
Selbstwertgefühl
|
stabil und hoch
|
eher hoch
|
verletzlich, Geburtsbericht
spricht jedoch für Selbstvertrauen
|
|
Identität als
Frau
|
·
positiv bewertet: durch
Partnerschaft und Mutterschaft
bestärkt, hat mehr Freude daran als vorher
|
·
positiv bewertet
·
bzgl. der Mutterrolle sehr
verletzlich
|
·
positiv bewertet
·
bzgl. der Mutterrolle sehr
verletzlich
|
|
Umgang mit sich
selbst
|
·
hohe
Anforderungen an sich selbst, auch als Mutter, kennt
aber auch ihre Grenzen; macht Urlaub wegen häufigen Erbrechens in der Frühschwangerschaft,
ruft nach der Geburt ihre Mutter zu Hilfe, um im Haushalt entlastet zu sein
|
·
kann genießen: Hobbys,
Reisen, Kontakte
·
nimmt in Beziehungen Unterstützung
für sich in Anspruch (Partner!)
·
erkennt eigene
Grenzen:
sucht wegen des häufig schreienden Kindes Hilfe in einer Stillgruppe
|
·
kann genießen: Reisen,
kulturelle Aktivitäten (Theater, Kino)
·
z.T. Hang, sich selbst zu überfordern: bittet nach der Geburt selten um Hilfe, andererseits: möchte nur noch Teilzeit
arbeiten, um ihr Kind genießen zu können
|
|
Umgang mit
Beziehungen
|
·
räumt Beziehungen einen
wichtigen Platz im Leben ein, pflegt regelmäßig freundschaftliche
Kontakte
·
hat klare Vorstellungen
davon, was sie sich von anderen wünscht: z.B. von ihrem Partner während der
Geburt
·
kann die
Perspektive wechseln (z.B. den Wunsch des Partners, mehr in die Mutter-Kind-Symbiose mit hineingenommen zu werden, nachfühlen)
·
kann ihr Kind gut einer Bekannten
anvertrauen (Babysitter)
·
fällt ungern
anderen zur Last
|
·
teilt sich
selbst mit,
nimmt Unterstützung in Anspruch
·
reagiert bei
Enttäuschungen nicht nachtragend (Hebamme, Freundin)
·
kann die
Perspektive wechseln und sich z.B. in ihren Partner hineinversetzen, als sie Streit mit
seiner Mutter hat
|
·
bringt anderen Menschen Vertrauen
entgegen, kann über Enttäuschungen
hinwegsehen (aufnehmende Hebamme)
·
sucht nach der Geburt
aktiv Kontakte, ist bereit, dafür umständliche Fahrten in Kauf zu nehmen,
wenn das Gegenüber z.B. durch ein zweites Kind oder Zwillinge weniger flexibel
ist
·
fällt ungern
anderen zur Last
|
Tabelle 3a: Metaphern für die eigene Befindlichkeit
|
Kategorie
|
Marie-Luise
|
Anna
|
Claudia
|
|
präpartal
|
1. in der
Frühschwangerschaft ging es ihr "dreckig" (Übelkeit)
|
1. bezeichnet
Schilderung ihres Lebens vor der Schwangerschaft als "verblümt"
2. Schwangerschaft
als "bilderbuchmäßig" erlebt
3. bei Differenzen
mit Schwiegermutter "Wut in meinem Körper"
|
1. während der
Schwangerschaft "auf'n Jungen eingeschossen."
2. bzgl. der Geburt: "Ach
machste dich jetzt nicht heiß..."
|
|
sub partu
|
—
|
1. hat sich in der
Klinik im Bad "mutterseelenallein" gefühlt
2. im Kreißsaal "so
richtig so wie so zusammengerollt, so seelisch" und "eingeigelt"
3. zur Hebamme ein "Urvertrauen"
4. vieles nur "in
Trance erlebt"
|
—
|
|
postpartal
|
1. fünf Tage nach
der Geburt: "Tiefpunkt überhaupt"
2. Stillen als "Riesenproblem"
3. Gefühl, dass die
meiste Arbeit (Haushalt, Kind) "auf ihr hängen bleibt"
|
1. nach der Geburt "hellwach",
"Glücksgefühle,
die einem da im Körper ...'rumrauschen, man ist wirklich wie berauscht
und wie auf Droge"
2. einerseits "so
fertig, als hätte ich 'n Marathonlauf gemacht, ...aber erst mal hätt' ich ja noch Bäume ausreißen können"
3. fühlt sich
Zuhause wie in "unserer sicheren Höhle"
4. als ihr Partner
arbeiten musste, waren die Tage "grauenvoll"
5. wegen des
"Schreikindes": "abgeschottet"; fühlte
sich "so aussätzig"
6. zeitweise "wie
im Gefängnis" gelebt
7. tagsüber wie "gerädert"
|
1. schleppt ihr
Kind und viele Taschen "packeselmäßig"
herum
|
Tabelle 3b: Deutungsmöglichkeiten für die Metaphern (Tabelle 3a)
|
Kategorie
|
Marie-Luise
|
Anna
|
Claudia
|
|
präpartal
|
1. Betonung der Intensität ihres Unwohlseins
|
1. meint wohl
"blumig": das Leben vor der
Schwangerschaft wird dadurch in gewisser Weise idealisiert ("durchschaute" Nostalgie: sie weiß wohl,
dass sie hier idealisiert...)
2. Betonung positiver Erlebensaspekte
3. betont Intensität und Körperlichkeit des Erlebens
|
1. Betont Intensität des Wunsches, einen Jungen zu
bekommen.
2. Bleibt bzgl. der
Geburt bewusst gelassen.
|
|
sub partu
|
—
|
1. Betonung der Intensität des Einsamkeitsgefühls
2. Bilder für Regression und intakten Selbstschutz
3. Betonung der Intensität des Vertrauens
4. Bild für Bewusstseinstrübung
|
—
|
|
postpartal
|
1. Bild für Unwohlsein, Leid.
2. Problem wird
dadurch hervorgehoben und als intensiv deutlich
3. fühlt sich
bezüglich Haushalt und Kinderbetreuung eher allein gelassen und als Hauptverantwortliche
|
1. betont Körperlichkeit sowie Intensität, Exklusivität und überwältigenden
Charakter des Erlebens
2. Bilder für enorme Anstrengung einerseits und für
Kraft und Energie andererseits
3. Selbstvertrauen, Rückzug und Selbstschutz, Betonung der Zweisamkeit
4. Gestaltung des Alltags ohne ihren Partner schwierig und
bedrohlich
5. Bilder für Rückzug und auch für Beschämung
6. Freiheitsverlust als negativer Aspekt der ersten Monate als Mutter
7. Bild für intensive Erschöpfung
|
1. Trägt viele Lasten alleine, geht nicht sehr gut
mit sich selbst um
|
Tabelle 4: Verlauf / Situative Variablen
|
Kategorien
|
Marie-Luise
|
Anna
|
Claudia
|
|
Lebenszufriedenheit
vor der Schwangerschaft
|
·
ausgesprochen
zufrieden:
engagiert & freudig im Beruf
·
Freude an sozialen Kontakten,
zentrale Rolle: Partnerschaft
·
wäre auch ohne Kind glücklich
gewesen
|
·
Studentenleben
genossen:
viel Freude an Sport/Reisen
·
Partnerschaft
und Freundschaften genossen
·
spontane
Verabredungen
|
·
Überlastung im
Beruf (wollte
nicht mehr lange so weitermachen wie bisher)
·
unternehmungslustig: Freude an
Reisen und kulturellen Unternehmungen (Theater, Kino)
|
|
Schwangerschaft
|
geplant
|
geplant
|
ungeplant
|
|
Schwangerschaftserleben
|
·
große Freude,
besonders ihr Partner war sehr aufgeregt
·
große Probleme mit Übelkeit
während der ersten fünf Monaten
·
ungeplanter Urlaub als
Bewältigungsstrategie
·
Geburtsvorbereitungskurs als "ein Stück ... gemeinsam erlebte
Schwangerschaft"
·
große Angst vor der Geburt und den Schmerzen; hat nach
Aufklärung im Geburtsvorbereitungskurs gehofft, es würde nicht so schlimm
werden.
|
·
große Freude
beider Partner
·
Angst vor
erneutem Abort
·
Übelkeit daher "natürlich
ertragen"
·
Beziehung zur eigenen Mutter intensiviert
·
Streit mit der
"Schwiegermutter"
·
hat unter großen Ängsten
gelitten: vor der Geburt und vor
einer zu großen Rolle der
Schwiegermutter in ihrer neuen Familie
·
Partner hat sie
unterstützt und ihr die Ängste genommen
|
·
zunächst sehr überrascht,
dann zusammen mit ihrem Partner sehr
gefreut
·
hat sich
frühzeitig mit ihrem Partner als neue Familie eingerichtet, Heiratspläne
·
Heirat und Umzug
auf Zeit nach der Geburt verschoben, um Stress zu vermeiden
·
Wunschvorstellung
vom Kind: lebhafter Junge
·
nicht zuviel Literatur gelesen,
wollte sich nicht verrückt machen, Zuversicht hinsichtlich der Geburt
|
|
Geburtserlebnis
|
·
zu Beginn noch frisch und zuversichtlich, nach einigen Stunden Wehentätigkeit große Erschöpfung: PDA, große Zufriedenheit
·
insgesamt Verlauf als unkompliziert und positiv bewertet, Schmerzen jedoch schlimmer als erwartet
·
Unterstützung
des Partners ausgesprochen positiv bewertet
·
Spontangeburt
·
emotionale
Bindung zum Kind nicht unmittelbar nach der Geburt da, sondern gewachsen
|
·
zu Beginn mulmiges Gefühl,
Unsicherheit, dennoch einen großen
Teil der Geburt zu Hause bewältigt
·
in der Klinik
von der Hebamme zunächst allein gelassen, Ärger darüber
·
positiv: Partner
dabei
·
hat sich
"eingeigelt"
·
Verlauf viel
schneller, als
sie zu hoffen gewagt hatte: "tolle Geburt" – Spontangeburt
·
"Urvertrauen" in die Hebamme; lobt das Team
·
nach der Geburt überwältigende
Glücksgefühle
|
·
bei Einsetzen der Ersten Wehen Hebamme
aus dem Kurs angerufen
·
zunächst Wehen zu Hause
veratmet
·
in der Klinik
lange alleine auf der Wochenstation (Eröffnungsperiode)
·
Freundlichkeit
der zweiten Hebamme betont
·
Team positiv bewertet
·
kam mit den
Schmerzen gut zurecht
·
Spontangeburt
·
Erstkontakt mit
dem Baby genossen
·
positive
Bewertung der Geburt
|
|
aktuelle
Lebenszufriedenheit
|
"Also ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden"
|
das Leben ist "... viel viel
wertvoller geworden, anstrengender, mit viel viel
Einschränkungen, und aber, ja schöner, wertvoller..."
|
Zufrieden mit ihrem Leben
als Mutter, nennt den tägl. Ablauf jedoch "Alltagstrott";
Sehnsucht nach früheren Freiheiten & Aktivitäten?!
|
Tabelle 5a: Beziehungen
|
Kategorien
|
Marie-Luise
|
Anna
|
Claudia
|
|
Beziehung zum
Kind
|
·
konnte sich vor der Geburt die
emotionale Bindung zum Kind nicht vorstellen,
die sie jetzt intensiv genießt
·
macht sich viel
Mühe mit dem Stillen (Verbrennungsnarbe auf der rechten Brust), um ihrem Kind einen gewissen Schutz vor Allergien mitgeben zu können
(Partner hat Neurodermitis)
·
große Freude an der Entwicklung
ihres Kindes, deutlich spürbarer mütterlicher
Stolz
·
genießt es, ihr Kind so gut zu kennen, freut sich darüber, dass er sie
ebenfalls gut kennt: "...ja wie man aufeinander
reagiert"
·
möchte ihren Mann bewusst in die Mutter-Kind-Symbiose
mit hineinnehmen, es fällt ihr jedoch schwer, etwas von der Vertrautheit abzugeben
|
·
stellt sich die
Welt ihres Kindes feinfühlig vor, möchte ihm nach der Geburt die Geborgenheit des Mutterleibes ersetzen und es nicht ins
Kinderzimmer "abschieben"
·
Probleme durch
das häufige, langanhaltende Schreien des Babys: kommt an ihre Belastungsgrenzen, Wut, Ärger
·
während der ersten 3 Monate: Abwendung
von der Außenwelt, um ihr Kind nicht durch allzu viele Umweltreize zu
noch mehr Geschrei anzuregen
·
lebhaftes
Temperament der Tochter inzwischen positiv besetzt: ruhige Kinder werden dagegen
als "tranig" bezeichnet,
ihre Tochter ist hingegen aufgeweckt und "frühreif"
·
kann ihr Kind schwer anderen überlassen, Tränen beim Abschied vor dem ersten Babysitten (für zwei
Stunden)
|
·
hat sich einen lebhaften Jungen
gewünscht, kann ihr "Phantasiebaby" jedoch weitgehend zugunsten des
realen aufgeben: Freude an ihrer zarten Tochter
·
am ersten Tag sehr verunsichert, große Angst, ihr Kind
nicht beruhigen zu können, findet
mit Hilfe der Krankenschwestern gut in
diese Aufgabe hinein
·
Freude am Spiel
mit ihrem Kind; möchte es nicht "nur im Abseits" haben,
um z.B. den Haushalt bewältigen zu können: Kind hat Vorrang
·
problematisches
Thema:
motorische Entwicklung: Kind
krabbelt noch nicht, C. befürchtet, dass es damit zusammenhängen könnte, dass
sie das Baby immer herumträgt, Selbstzweifel
·
äußert
Unsicherheit, ob sie als Mutter wohl "gut
genug" ist
|
|
Interaktion
|
feinfühlig
und liebevoll
|
liebevoll
zugewandt
|
feinfühlig
und liebevoll
|
|
Partnerschaft
|
·
ausgesprochen
positiv
bewertet
·
findet es wichtig, dass beide schon sehr vertraut miteinander waren, bevor sie schwanger wurde
·
gemeinsamer Geburtsvorbereitungskurs
wichtig
·
besonders froh über die Unterstützung
ihres Partners während der Geburt: er hat ihr jeden Wunsch von den Augen
abgelesen
·
vor der Schwangerschaft Erziehungsfragen
besprochen
·
emotionale Unterstützung positiv, im Haushalt, mit dem Kind bleibt jedoch Vieles an ihr
hängen.
|
·
sehr positiv
bewertet
·
schon vor der Schwangerschaft viel
gemeinsam unternommen, gemeinsames
Hobby: Reisen
·
während der Schwangerschaft große Ängste: hat sich ihrem Partner mitgeteilt, er hat ihr die Ängste genommen und ihr seine Loyalität zugesichert (Angst vor
einer evt. zu mächtigen Rolle der "Schwiegermutter" nach der Geburt)
·
froh über Anwesenheit des Partners
im Kreißsaal
·
Partner hat kaum
arbeiten müssen (Studium gerade beendet): froh über Unterstützung, Aufgaben geteilt
|
·
Partner wird als sehr
verantwortungsbewusst und feinfühlig geschildert
·
trotz ungeplanter Schwangerschaft bei beiden Vorfreude: Heiratspläne
für die Zeit nach der Geburt
·
Partner äußert lebhaften Wunsch
nach weiteren Kindern, C. bremst etwas
·
Probleme
innerhalb ihrer Familie (Geschwisterrivalität) mit dem
Partner besprochen: eigene Vorstellungen
entwickelt
·
Partner bietet ihr immer wieder
Hilfe an, C. hat Mühe, Hilfe in Anspruch zu nehmen
|
Tabelle 5b: Beziehungen
|
Kategorie
|
Marie-Luise
|
Anna
|
Claudia
|
|
Beziehung zurMutter
|
·
sehr gutes
Verhältnis: "...na in der Pubertät
mal nicht so, aber ich denke, das ist normal"
·
gut abgelöst (Partner
wichtiger als Mutter)
·
die positiv bewertete Beziehung hat sich durch die Mutterschaft gefestigt:
"Ja,
na ich hab' wirklich 'ne ausgesprochen gute Mutter, ... aber ich denke, jetzt
fängt es an, dass ich doch das Ausmaß besser würdigen kann, was sie so
tatsächlich geleistet hat"
·
ruft ihre Mutter nachts an, um freudig
den Geburtsbeginn mitzuteilen
·
bittet nach der Geburt ihre Mutter um Unterstützung (Haushalt)
·
schätzt die Hilfe ihrer Mutter sehr, da sie alles so engagiert und gut macht
·
beide Eltern mögen auch ihren Mann sehr: dadurch harmonisches Miteinander
·
kohärentes Bild der Beziehung
|
·
Beziehung war früher nicht
unproblematisch: Anna hat als Kind ihre Mutter häufig als überlastet
erlebt, sie hätte sich gewünscht, mehr mit ihr unternehmen zu können,
oder (später) häufiger von ihr besucht zu werden.
·
ihre Enttäuschung äußerte
sich in Vorwürfen gegen die Mutter,
Anna richtete sie nicht gegen sich
selbst
·
rückblickend schämt sie sich
für ihre Kritik und empfindet nun
Hochachtung vor der Leistung ihrer
Mutter, zwei Kinder alleine zu erziehen und dabei zu arbeiten
·
Wunsch, "alles wieder gutzumachen"
·
mehr Verständnis für ihre Mutter; eigene Erfahrung der Mutterschaft "auf
jeden Fall sehr förderlich so für unsere Beziehung" – bereits während der Schwangerschaft Beziehung intensiviert
(regelmäßige Treffen)
·
gut abgelöst (Partner
wichtiger als Mutter)
·
kohärentes Bild der Beziehung
|
·
problematisch: Mutter
bevorzugte schon immer C's größere Schwester, wenn
es Probleme gab, hatte C. meist die Rolle des "Schwarzen Peters"
·
Ausgleich: sie selbst war
der Liebling ihres Vaters
·
Zweiteilung der
Familie als
problematisch erlebt, Wunsch, die Familie
mit ihrem Partner anders zu gestalten
·
gut abgelöst:
Partner / neue Familie hat Vorrang vor der Herkunftsfamilie
·
Mutter wurde als bevormundend
und übertrieben fürsorglich erlebt
·
Wiederannäherung und Aussöhnung im Zusammenhang mit der Krebserkrankung der Mutter (1995): "...
gut, verbessert hatte sich ... das Verhältnis, seitdem sie so krank war und
wir besser zueinander gefunden haben, als vorher"
·
Freude darüber, dass ihre Mutter so glücklich über ihre Enkeltochter
ist
|
Tabelle 6: Kognitive Variablen
|
Kategorien
|
Marie-Luise
|
Anna
|
Claudia
|
|
Kontrollüberzeugung
(Locus of control)
|
Intern: legt Wert
darauf, alles in der Hand zu haben
|
eher intern: beweist bei der
Bewältigung der Geburt ein hohes Maß an Selbstvertrauen und Unabhängigkeit
|
eher intern: zeigt sich
jedoch in der Mutterrolle verunsichert (Thema motorische Entwicklung des
Kindes)
|
|
Attributionsstil (als
"Misserfolg" sind im Sinne des Ansatzes negativ/ als "Erfolg"
positiv bewertete Ereignisse anzusehen)
|
keine
eindeutigen Hinweise
|
nicht eindeutig:
gibt sich
selbst die Schuld am Streit mit der Schwiegermutter, was als interne Attribution
von Misserfolg angesehen werden kann
|
nicht eindeutig:
ist jedoch versucht, den "Misserfolg", dass ihre
Tochter noch nicht krabbelt intern zu attribuieren
|
|
Handlungsbereitschaft
/ Bewältigungsstrategien
|
"problem-fokussierte Copingstrategien ":
·
Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses
und sorgfältige Auseinandersetzung
mit der Geburt, um die Angst zu mildern
·
nimmt Urlaub, als sie mit
Schwangerschaftserbrechen zu kämpfen hat
·
bittet ihre Mutter / eine Frau aus der Gemeinde um Unterstützung bzgl. Haushalt / Kind
·
hält sich die Vorteile des
Lebens als Mutter vor Augen, um die Nachteile leichter Kauf nehmen zu können
|
"problem-fokussierte Copingstrategien ":
·
Auseinandersetzung
mit ihren
Ängsten: teilt sich ihrem Partner mit
·
Geburtsvorbereitungskurs, um die Angst
vor der Entbindung zu mildern
·
tritt für ihre
Bedürfnisse z.T. aktiv ein (Wochenstation)
·
sucht flexibel
nach brauchbaren Lösungen für Konflikte (gegen ihren Vorsatz frühzeitige Entlassung aus der Klinik)
·
sucht nach der Geburt Kontakte,
um sich über Schwierigkeiten austauschen zu können (Stillgruppe, Bekannte,
die selbst Mutter ist)
|
eher "problem-fokussierte Copingstrategien":
·
nimmt auf der Wochenstation Hilfe
in Anspruch
·
Suche nach neuen Kontakten
nach der Geburt, nimmt weite Wege in Kauf, um nicht allein zu bleiben
·
eher vermeidend:
Reaktion
auf die Schwangerschaft: der Partner übernimmt die Initiative
|
Tabelle 7: Affektive Variablen
|
Kategorien
|
Marie-Luise
|
Anna
|
Claudia
|
|
Ängste
|
|
|
|
|
präpartal
|
·
Angst vor der Geburt
|
·
Angst vor der Geburt:
Schmerzen, Tod
·
Angst vor Übermacht der
"Schwiegermutter " in ihrer neuen Familie
·
Angst, dass ihr Partner nicht
zu ihr hält
|
—
|
|
sub partu
|
—
|
—
|
—
|
|
post partum
|
Angst
/ Sorge um Gewichtszunahme des Kindes
|
Angst,
was andere wohl denken könnten (Schreikind...)
|
Angst / Sorge,
als Mutter Fehler zu machen, z.B. ihr Kind nicht beruhigen zu können (kurz nach der
Geburt), oder es zuviel herumzutragen (Thema Krabbeln)
|
|
Umgang/Bewältigung
|
|
|
|
|
präpartal
|
·
Geburtsvorbereitungskurs,
Auseinandersetzung mit der Geburt, PDA in Betracht gezogen
|
·
Aussprache mit
ihrem Partner
·
Geburtsvorbereitungskurs
|
—
|
|
sub partu
|
—
|
—
|
—
|
|
post partum
|
Versuch, sich nicht verrückt machen zu lassen, Gelassenheit
|
sucht Kontakt zu
einer Frau, die ebenfalls ein unruhiges Baby hatte, und zur Stillgruppe
|
sucht Hilfe (Schwestern auf
der Wochenstation, Kinderärztin) und
liest Ratgeber
|
|
Umgang mit
Aggressionen
|
·
keine
eindeutigen Hinweise
|
·
bringt im
Gespräch Wut /Ärger (mangelhafte Betreuung bei der Aufnahme im Kreißsaal) deutlich zum Ausdruck
·
in der Beziehung
zur Mutter: Enttäuschung / Ärger nicht gegen sich selbst gerichtet
|
·
keine
eindeutigen Hinweise
|
Tabelle 8: Zukunftswünsche & Ressourcen
|
Kategorien
|
Marie-Luise
|
Anna
|
Claudia
|
|
Zukunftswünsche
|
·
Hauptwunsch: "Na, dass wir als Familie weiterhin
glücklich bleiben... . Ja und dass er sich halt
weiterhin gut entwickelt, nicht, das hat man ja alles nicht in der
Hand."
·
weitere Wünsche:
- Fertigstellung
ihrer Doktorarbeit,
- günstiger Berufseinstieg
|
·
Dass es ihnen als Familie gut
geht: "...'n gewissen Wohlstand,
dass es uns gut geht, dass wer nie Hunger leiden müssen..."
·
Frieden in der Welt,
nie Krieg erleben zu müssen
·
Wunsch, dass ihr Kind "...auch alt werden kann, ohne
Gefahren und so was, ohne, ohne Unglück..."
·
sich selber wohlfühlen, mal wieder mehr an sich selbst denken können
·
Wiederaufnahme
des Studiums
|
·
"Ja, als nächstes gerne 'n Brüderchen, aber 'n Schwesterchen nehmen
wir auch (lacht)"
·
"noch 'n paar Kinder, ein oder zwei."
·
eine größere Wohnung
·
Klarheit, wo sie
in Zukunft leben werden (hängt von der Arbeit des Partners ab), Berlin wäre schön
·
harmonisches
Familienleben
·
Wiedereinstieg in den
·
Beruf
|
|
Ressourcen
|
·
stabiles, hohes Selbstwertgefühl
·
Selbstvertrauen,
auch in mütterliche Kompetenzen
·
"problem-fokussierte Copingstrategien"
·
interne
Kontrollüberzeugung
·
hohes Maß an Autonomie
·
hohe Frustrationstoleranz /
Zähigkeit (beruflicher Werdegang)
·
Offenheit
·
reflektierter
Umgang mit
der neuen Lebenssituation
·
sehr positiv bewertete, emotional unterstützende Partnerschaft
·
sehr positiv bewertete Beziehung
zu ihren
·
Eltern: kann ohne
Schuldgefühle ihre Mutter um Unterstützung
bitten (und erhält sie)
·
regelmäßige soziale Kontakte
·
Freude am Beruf
|
·
eher hohes Selbstwertgefühl
·
Selbstvertrauen
·
"problem-fokussierte Copingstrategien"
·
eher interne Kontrollüberzeugung
·
Offenheit
·
Extraversion (große
Bereitschaft, ihre Gefühle mitzuteilen)
·
sehr positiv bewertete, emotional und praktisch unterstützende
·
Partnerschaft
·
Fähigkeit zur
Selbstkritik und zum Perspektivenwechsel (Veränderungen in der Bez. zur Mutter)
·
kontaktfreudig, sucht
Unterstützung in einer Stillgruppe / bei anderen Müttern
·
investiert
Vertrauen
|
·
Selbstvertrauen
·
eher "problem-fokussierte" Copingstrategien
·
eher interne Kontrollüberzeugung
·
Gelassenheit (bzgl. der
Geburt)
·
positiv bewertete, emotional unterstützende Partnerschaft
·
gute Beziehung
zum Vater
·
Aufarbeitung der
problematischen Beziehung zur Mutter
·
kontaktfreudig
·
investiert
Vertrauen
|
|